Die hierzulande gebräuchlichste Form der langfristigen Geldanlage besteht bekanntlich neben dem Immobilienkauf in dem Erwerb von Aktien und Fondanteilen. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sind allerdings die damit erzielbaren Renditen bekanntlich nicht gerade attraktiv. Vor diesem Hintergrund erscheinen alternative Anlagemöglichkeiten zunehmend interessant. Eine solche besteht etwa in dem Investment in eine Orangenplantage.

Bei dieser Art der Investition erwirbt der Kapitalanleger realen Landbesitz, welches ihm auf lange Jahre ein passives Einkommen sichert. Denn auf besagtem Grundstück lässt der Investor Orangenbäume pflanzen und erwirtschaftet ein regelmäßiges Einkommen durch den Verkauf des Ernteertrags. Dieses Konzept der Plantagenbewirtschaftung kombiniert den klassisch-konservativen Aspekt des Landbesitzes mit der dynamischen Komponente der durch den Ernteverkauf erwirtschafteten, laufenden Einnahmen.

Die Agri Terra organisiert den Orangenplantagenankauf

Die in Bielefeld beheimatete Firma Agri Terra hat sich auf die Vermittlung und Betreuung von Orangenplantagen in Paraguay spezialisiert. Zu diesem Zweck erwirbt die Agri Terra derzeit nach und nach eine insgesamt etwa 1000 Hektar große Orangenplantage und bereitet diese für die Aufzucht von Orangenbäumen vor.

Das im Süden Paraguays gelegene Grundstück unterteilt sich in etwa 4000 Einzelparzellen. Diese können von Investoren erworben und auch zu jeder Zeit – etwa über den von Agri Terra betriebenen Parzellen-Marketplace – weiterverkauft werden. Die erworbene Parzelle wird im Grundbuch auf den Namen des Kapitalgebers eingetragen. Der Investor wird folglich verbriefter Alleineigentümer der besagten Parzelle. Sowohl der Grundbesitz als auch das Eigentum an den Bäumen sind für den Investor konkurssicher, da er für die Bewirtschaftung nicht haftet. Auch wird jegliche Nachschusspflicht für den Investor vertraglich ausgeschlossen.

Eventuelle finanzielle Einbußen etwa durch Schädlinge oder Naturereignisse lassen sich auf Wunsch durch eine zusätzliche Plantagenversicherung ausschließen.

Eine Parzelle ist etwa 2500 qm groß und bietet Platz für rund 160 Orangenbäume. Die Baumsetzlinge werden von der Agri Terra von einer brasilianischen Baumzuchtplantage gekauft, angepflanzt und gepflegt. Ein einziger Baum produziert mindestens 25 Jahre lang Orangen und wirft jährlich in etwa zwischen 150 und 200 kg Orangen ab. Insgesamt produziert eine Parzelle damit pro Jahr etwa 24 Tonnen Orangen.

Vertragsmodalitäten gemäß gutem, deutschem Recht

Verkauf und Eigentumsübertragung werden von der 2013 gegründeten Firma Agri Terra KG sowie deren in Paraguay ansässigen Schwesterunternehmen „Agri Terra Paraguay S.A.“ organisiert. Der Vertrag wird nach deutschem Recht abgeschossen und der Ansprechpartner sitzt in Deutschland. Zudem besteht ein Investitionsschutzabkommen zwischen Deutschland und Paraguay. Die Agri Terra schließt vor Ort mit dem Vorbesitzer der Parzelle einen Bewirtschaftungsvertrag ab.

Besagter Vorbesitzer kümmert sich um die komplette Bewirtschaftung der Bäume. Dazu gehören etwa Bewässerung, Anpflanzung, Schädlingsschutz sowie Ernte und Verkauf. Die Agri Terra erhebt für ihre Verwaltungstätigkeit eine Gebühr von 5 Prozent auf die nach Abzug der anteiligen Bewirtschaftungs- und Transportkosten verbleibenden Ernteerlöse. Nach Abzug aller Kosten und Steuern prognostiziert die Agri Terra durchschnittliche, jährliche Netto-Erträge zwischen USD 2.050 und USD 4.600 pro Parzelle.

Nach etwa vier Jahren kann der Investor mit ersten, signifikanten Erträgen aus der Fruchtproduktion rechnen. Dies liegt am natürlichen Wachstumsverlauf von Orangenbäumen. Deren jährliche Erträge steigen nach der Anpflanzung parabelförmig, beginnend auf einem niedrigen Niveau an und erreichen nach etwa 10 Jahren den Höchststand, um danach langsam wieder zurückzugehen. Tragen die Bäume nach etwa 25 Jahren keine Früchte mehr, wird das Holz der Orangenbäume verkauft. Hierfür veranschlagt die Agri Terra einen Gesamterlös von etwa 4000 US-Dollar. Da der Kaufpreis einer Parzelle bei maximal 15.000 Dollar liegt, sollte sich die Investition bereits nach etwa fünf bis sieben Jahren amortisiert haben. Laut Aussage von Agri Terra wurden die beschriebenen Kalkulationen von „einer renommierten, internationalen Gesellschaft wirtschaftsgeprüft“.

Die komplette Ernte wird direkt in Paraguay an Supermärkte, Hotels und Weiterverarbeitungsbetriebe verkauft

Paraguay importiert derzeit etwa 85 Prozent der im Land konsumierten Orangen respektive der aus ihnen gefertigte Produkte wie etwa Säfte und Limonaden, Parfüme, Essenzen, Kosmetik, Backmittel etc. Daher kann die gesamte Ernte im Inland abgesetzt werden. Es bestehen bereits Abnahmegarantien von Supermärkten, Hotels und Weiterverarbeitungsbetrieben. Durch den Inlandsverkauf sind die Lieferwege kurz und kostengünstig.

Die Agri Terra muss sich daher weder um die Weiterverarbeitung, noch um neue Abnehmer oder aufwändige Exportgenehmigungen kümmern. Ausgewiesene Vorlaufkosten können übrigens ggfs. ebenso steuerlich in Abzug gebracht werden wie eine jährliche Inspektionsreise nach Paraguay. Da sämtliche in Paraguay anfallenden Steuern von der Agri Terra abgeführt werden, muss sich der Kapitalgeber auch um diesen Aspekt nicht kümmern.

Ein Modell macht Schule

Dieses Kombinationsmodell aus Landerwerb und einer durch den Verkauf von Ernteerträgen erzielten, regelmäßigen Dividende erfreut sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit. So offerieren etwa die Firmen Teak-Holz-Investment und ESA Edelholz Südamerika vergleichbare Geschäftsmodelle und veräußern zu diesem Zweck brasilianische Edelholz-Plantagenzellen. In Bolivien entsteht momentan unter der Regie der Roland Benn Publishing Ltd ein 11 Quadratkilometer großes, autarkes, deutschsprachiges Dorf.

Mit Sommer 2018 können Investoren dort Zitrusfruchtbau-Plantagenparzellen erwerben, von den Dorfbewohnern bewirtschaften lassen und von den Verkaufserlösen profitieren. Aber Achtung, dieses Kombination aus Landerwerb und vermeintlich automatisch generierten, regelmäßigen Einkünften eignet sich nur für besonders wagemutige Investoren. So zählt die Stiftung Finanztest alternative Investitionsformen dieser Art grundsätzlich zu den besonders risikobehafteten Geschäftsmodellen. Wer also hofft, als Orangenplantagenbesitzer im Alter eine regelmäßige Orangenrendite einzufahren, könnte stattdessen auch nachhaltige Ernteausfälle erleben.

Written by Captain Geld