Ratenkauf im Internet: Vorteile, Gefahren und deine Rechte
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Kurz beantwortet
- Ein Ratenkauf ist rechtlich ein Teilzahlungsgeschäft, wirtschaftlich ein Kredit, der an einen bestimmten Kauf gebunden ist.
- Vorteile: Ware sofort, planbare Raten, schneller Abschluss. Nachteile: Zinsen, Zusatzprodukte, Verschuldungsgefahr, Schufa-Meldung.
- Entscheidend ist der effektive Jahreszins und der Gesamtbetrag, nicht die Monatsrate.
- Du hast in der Regel ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Ab 20.11.2026 gelten neue Regeln, auch für viele Buy-now-pay-later-Angebote.
Fernseher, Handy oder Sofa sofort mitnehmen und in kleinen Monatsraten bezahlen: Der Ratenkauf ist in vielen Onlineshops nur einen Klick entfernt. Genau das macht ihn bequem, aber auch riskant. Hier erfährst du, was ein Ratenkauf rechtlich ist, welche Formen es gibt, welche Vorteile und Gefahren er hat und worauf du vor dem Klick achten solltest.
Was ist ein Ratenkauf?
Beim Ratenkauf (auch Kauf auf Raten, Teilzahlungskauf) bekommst du eine Ware oder Leistung sofort, bezahlen den Preis aber in festen Teilbeträgen über mehrere Monate. Rechtlich ist das ein Teilzahlungsgeschäft (§ 506 Abs. 3 BGB). Kostet die Ratenzahlung etwas, etwa Zinsen oder Gebühren, gelten weitgehend dieselben Schutzregeln wie für einen Verbraucherkredit.
Der Unterschied zum klassischen Ratenkredit: Der Ratenkredit ist ein Geldbetrag, den du frei verwendest. Beim Ratenkauf ist die Finanzierung an einen bestimmten Kauf gebunden. Wirtschaftlich nimmst du aber in beiden Fällen einen Kredit auf.
Welche Formen des Online-Ratenkaufs gibt es?
| Form | So funktioniert es | Darauf achten |
|---|---|---|
| Finanzierung über die Partnerbank des Shops | Der Shop vermittelt einen Ratenkredit einer Bank, Kauf und Kredit sind verbundene Verträge | Effektiver Jahreszins, Laufzeit, Restschuldversicherung |
| Ratenzahlung über einen Zahlungsdienst | Ein Bezahldienst übernimmt die Rechnung, du zahlst an ihn in Raten | Kosten pro Rate, Mahngebühren, Überblick über mehrere laufende Raten |
| „Jetzt kaufen, später bezahlen“ (Buy now, pay later) | Zahlung wird um einige Wochen verschoben oder in wenige Raten geteilt, oft ohne Zinsen | Verzugsgebühren, Gefahr vieler kleiner offener Beträge |
| Teilzahlung mit der Kreditkarte | Der Kartensaldo wird nicht voll ausgeglichen, sondern in Raten getilgt | Meist hohe Sollzinsen |
| 0-%-Finanzierung | Händler oder Hersteller übernehmen die Zinsen | Oft an einen Rahmenkredit oder eine Karte gekoppelt, die nach der Aktion teuer wird |
Kein Ratenkauf ist der klassische Kauf auf Rechnung mit kurzer Zahlungsfrist. Er ist ein kurzer Zahlungsaufschub ohne Kosten.
Vorteile des Ratenkaufs
- Sofort verfügbar: Die Ware kommt jetzt, auch wenn das Geld erst in einigen Monaten zusammenkommt, etwa wenn die Waschmaschine kaputtgeht.
- Schnell und digital: Antrag, Bonitätsprüfung und Zusage dauern oft nur wenige Minuten.
- Planbare Raten: Feste Monatsbeträge lassen sich ins Haushaltsbudget einplanen.
- Manchmal günstig: Echte 0-%-Angebote ohne Nebenkosten können günstiger sein als ein Dispokredit.
- Verbraucherschutz: Du hast ein Widerrufsrecht für den Kredit und, bei verbundenen Verträgen, Schutz, wenn der Kauf rückabgewickelt wird.
Nachteile und Gefahren
- Kosten: Zinsen und Gebühren machen die Ware teurer. Achte immer auf den effektiven Jahreszins, nicht nur auf die Monatsrate.
- Verlockung: Kleine Raten lassen teure Käufe harmlos wirken. Mehrere parallel laufende Ratenkäufe verlieren schnell an Übersicht.
- Restschuldversicherung: Sie wird oft mit angeboten, ist teuer und für einen Ratenkauf nur selten nötig.
- Lockangebote: Hinter einer 0-%-Finanzierung steckt manchmal ein Kreditrahmen, der nach der Aktion mit hohem Zins weiterläuft.
- Schufa: Ratenkredite werden in der Regel an Auskunfteien gemeldet. Zahlungsstörungen können spätere Kredite oder Mietverträge erschweren.
- Verzug: Wer Raten nicht zahlt, riskiert Mahngebühren, Inkasso und im schlimmsten Fall die Kündigung des ganzen Restbetrags.
Deine Rechte beim Ratenkauf
- Informationen vorab: Bei einem kostenpflichtigen Teilzahlungsgeschäft müssen unter anderem Barzahlungspreis, Sollzins, effektiver Jahreszins und Gesamtbetrag angegeben werden. Fehlt der effektive Jahreszins oder der Gesamtbetrag, ist nur der gesetzliche Zins geschuldet (§ 507 BGB).
- Widerruf: Den Kredit- bzw. Teilzahlungsvertrag kannst du in der Regel innerhalb von 14 Tagen ohne Begründung widerrufen. Für den Onlinekauf selbst gilt ebenfalls ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Bei verbundenen Verträgen wirkt der Widerruf des einen auch für den anderen.
- Vorzeitig zahlen: Du darfst den Rest jederzeit vorzeitig zahlen. Die Zinsen für die eingesparte Zeit entfallen. Bei manchen Krediten darf der Kreditgeber eine begrenzte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.
- Kündigung nur unter Bedingungen: Der Kreditgeber darf den gesamten Rest nur fällig stellen, wenn du mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden Raten und einem Mindestanteil der Gesamtsumme in Verzug bist und eine zweiwöchige Nachfrist erfolglos verstrichen ist (§ 498 BGB).
Neue Regeln ab 20. November 2026
Mit der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie ändert sich das Recht für Ratenkäufe. Der Bundestag hat das deutsche Umsetzungsgesetz im April 2026 beschlossen, die neuen Regeln sind ab dem 20. November 2026 anzuwenden. Die wichtigsten Punkte für Verbraucher:
- Viele „Buy now, pay later“-Angebote fallen künftig unter den Verbraucherkreditschutz, auch Kleinbeträge unter 200 €. Ein begrenzter Zahlungsaufschub beim gewöhnlichen Kauf auf Rechnung bleibt grundsätzlich ausgenommen.
- Die Kreditwürdigkeitsprüfung wird strenger: Ein Kredit darf nur vergeben werden, wenn die Rückzahlung wahrscheinlich ist.
- Werbung für Kredite muss einen deutlichen Warnhinweis enthalten, dass Kreditaufnahme Geld kostet.
Für Verträge, die vorher geschlossen wurden, gelten in der Regel die bisherigen Vorschriften weiter.
Checkliste vor dem Ratenkauf
- Brauche ich das jetzt? Wenn du in drei Monaten ohnehin genug gespart hättest, ist Warten oft günstiger.
- Effektiven Jahreszins vergleichen mit einem normalen Ratenkredit deiner Bank.
- Gesamtbetrag ansehen, nicht nur die Monatsrate.
- Zusatzprodukte abwählen, etwa Restschuldversicherung oder Kreditkarte, wenn du sie nicht willst.
- Budget prüfen: Alle Raten zusammen sollten auch bei unerwarteten Ausgaben tragbar bleiben.
- Bedingungen nach der Aktion lesen: Was passiert bei 0-%-Angeboten nach Ablauf der Aktion?
- Raten notieren und Lastschriften im Blick behalten, damit keine Rate platzt.
Wenn du größere Anschaffungen planst, lohnt ein Blick auf alternative Wege: Ein Vergleich verschiedener Finanzierungsformen steht unter Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung. Kommst du mit Raten in Verzug, erklärt unser Beitrag zu Verzugszinsen, welche Kosten anfallen dürfen. Und wer langfristig spart statt finanziert, profitiert vom Zinseszins.
Häufige Fragen
Was versteht man unter Ratenkauf?
Du erhältst eine Ware sofort und zahlst den Preis in festen Teilbeträgen über mehrere Monate. Rechtlich ist das ein Teilzahlungsgeschäft, für das bei Kosten die Regeln des Verbraucherkredits gelten.
Welche Nachteile haben Ratenzahlungen?
Die Ware wird durch Zinsen und Gebühren teurer, kleine Raten verleiten zu mehr Käufen, Zusatzversicherungen kosten extra und Zahlungsprobleme können zu Mahnkosten, Inkasso und einem negativen Schufa-Eintrag führen.
Ist ein 0-%-Ratenkauf wirklich kostenlos?
Nur wenn effektiver Jahreszins und alle Nebenkosten bei 0 liegen und keine kostenpflichtigen Zusatzprodukte gekoppelt sind. Prüfe, ob nach der Aktion ein Kreditrahmen oder eine Karte mit hohem Zins weiterläuft.
Kann ich einen Ratenkauf widerrufen?
In der Regel ja, innerhalb von 14 Tagen ohne Begründung. Widerrufst du den Onlinekauf, endet bei verbundenen Verträgen auch die Finanzierung.
Quellen
- § 506 BGB – Zahlungsaufschub, sonstige Finanzierungshilfe – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__506.html
- § 507 BGB – Teilzahlungsgeschäfte – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__507.html
- IHK Osnabrück: Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie beschlossen – https://www.ihk.de/osnabrueck/recht-und-fair-play/aktuelles/verbraucherkreditrichtlinie-7035356
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