Verjährung von Rechnungen: Fristen, Beginn und was gilt, wenn keine Rechnung kam
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Kurz beantwortet
- Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt 3 Jahre (§ 195 BGB). Sie beginnt erst am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist (§ 199 BGB).
- Beispiel: Eine Forderung, die 2023 fällig wurde, verjährt mit Ablauf des 31.12.2026.
- Verjährt heißt nicht erloschen: Der Schuldner darf nur die Zahlung verweigern (Einrede, § 214 BGB). Wer trotzdem zahlt, bekommt das Geld nicht zurück.
- Arztrechnungen und Rechnungen aus Bauverträgen werden erst mit der Rechnung fällig. Ohne Rechnung beginnt die Verjährung dort gar nicht erst.
- Eine einfache Mahnung stoppt die Verjährung nicht. Das schaffen z. B. Mahnbescheid, Klage, Verhandlungen oder ein Anerkenntnis.
Was bedeutet Verjährung?
Verjährung heißt: Nach Ablauf einer gesetzlichen Frist kann der Schuldner die Zahlung verweigern. Der Anspruch selbst erlischt nicht. Der Schuldner erhält nur ein Leistungsverweigerungsrecht, die sogenannte Einrede der Verjährung (§ 214 BGB). Das hat zwei Folgen:
- Der Schuldner muss sich auf die Verjährung berufen. Ein Gericht prüft sie nicht von selbst.
- Wer eine verjährte Rechnung bezahlt, kann das Geld nicht zurückfordern – auch dann nicht, wenn er von der Verjährung nichts wusste.
Mit der Verjährung von Straftaten hat das nichts zu tun; diese ist im Strafgesetzbuch eigenständig geregelt.
Verjährungsfrist bei Rechnungen: 3 Jahre zum Jahresende
Für die meisten Forderungen aus Kauf-, Dienst-, Werk- oder Mietverträgen gilt die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren (§ 195 BGB). Sie beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem
- der Anspruch entstanden, also fällig geworden ist, und
- der Gläubiger den Schuldner und die Umstände kennt oder ohne grobe Fahrlässigkeit kennen müsste (§ 199 Abs. 1 BGB).
Ohne Kenntnis des Gläubigers verjähren solche Ansprüche spätestens zehn Jahre nach ihrer Entstehung (§ 199 Abs. 4 BGB).
Keine Rechnung erhalten: Wann beginnt die Verjährung?
Das ist die häufigste Frage – und die Antwort hängt davon ab, wann die Forderung fällig wird. Nur dann beginnt die Uhr zu laufen.
| Art der Forderung | Fällig ab | Folge, wenn keine Rechnung kommt |
|---|---|---|
| Kaufpreis (Laden, Onlineshop) | sofort bei Vertragsschluss bzw. Lieferung, wenn nichts anderes vereinbart | Verjährung läuft trotzdem |
| Werkvertrag allgemein (z. B. Autoreparatur) | Abnahme des Werks (§ 641 BGB) | Verjährung läuft trotzdem |
| Bauvertrag (z. B. Dach, Heizung, Umbau) | Abnahme und prüffähige Schlussrechnung (§ 650g Abs. 4 BGB) | Verjährung beginnt nicht |
| Arzt (Privatrechnung nach GOÄ) | Zugang einer ordnungsgemäßen Rechnung (§ 12 GOÄ) | Verjährung beginnt nicht |
Handwerker schickt keine Rechnung
Hier kommt es auf die Art der Arbeit an. Ist es ein Bauvertrag – also Herstellung, Umbau oder wesentliche Instandhaltung eines Gebäudes –, wird der Werklohn erst mit einer prüffähigen Schlussrechnung fällig. Kommt diese Jahre später, beginnt die dreijährige Frist erst am Ende des Jahres, in dem die Rechnung zugeht. Bei kleineren Werkleistungen ohne Bezug zum Bauwerk (etwa Reparatur eines Geräts) genügt dagegen die Abnahme; die Frist läuft dann auch ohne Rechnung.
Sehr spät gestellte Rechnungen können in Ausnahmefällen verwirkt sein, wenn der Handwerker lange untätig war und du dich darauf einstellen durftest, dass nichts mehr kommt. Das ist aber eine Frage des Einzelfalls und vor Gericht schwer durchzusetzen.
Verjährung von Arztrechnungen
Privatärzte und Zahnärzte können ihr Honorar erst verlangen, wenn sie eine Rechnung nach der Gebührenordnung gestellt haben. Die Verjährung beginnt deshalb mit dem Ende des Jahres, in dem dir die Rechnung zugeht – nicht mit dem Behandlungsjahr. Eine Behandlung aus 2022, für die die Rechnung erst im Februar 2025 kommt, verjährt also erst mit Ablauf des 31. Dezember 2028.
Weitere Verjährungsfristen im Überblick
| Anspruch | Frist | Vorschrift |
|---|---|---|
| Mängelansprüche beim Kauf beweglicher Sachen | 2 Jahre ab Übergabe | § 438 BGB |
| Mängel an Bauwerken und Baumaterial | 5 Jahre ab Abnahme bzw. Übergabe | §§ 438, 634a BGB |
| Rechte an Grundstücken (z. B. Kaufpreis für ein Grundstück) | 10 Jahre | § 196 BGB |
| Sonstige Schadensersatzansprüche ohne Kenntnis | höchstens 10 Jahre ab Entstehung | § 199 Abs. 3 BGB |
| Rechtskräftig festgestellte Ansprüche (Urteil, Vollstreckungsbescheid) | 30 Jahre | § 197 BGB |
| Schadensersatz wegen Verletzung von Leben, Körper, Gesundheit, Freiheit ohne Kenntnis | höchstens 30 Jahre | § 199 Abs. 2 BGB |
Wie Gläubiger die Verjährung stoppen
Eine Mahnung oder Zahlungserinnerung allein ändert an der Verjährung nichts. Wirksam sind vor allem:
- Hemmung (§ 204 BGB): durch Zustellung eines Mahnbescheids im gerichtlichen Mahnverfahren, durch Klage oder ein Schlichtungsverfahren. Die Frist läuft während dieser Zeit nicht weiter.
- Hemmung durch Verhandlungen (§ 203 BGB): Solange beide Seiten über die Forderung verhandeln. Danach tritt die Verjährung frühestens drei Monate nach Ende der Verhandlungen ein.
- Neubeginn (§ 212 BGB): Erkennt der Schuldner die Forderung an – etwa durch eine Abschlagszahlung, eine Zinszahlung oder eine Bitte um Ratenzahlung –, beginnt die Frist vollständig neu.
Einrede der Verjährung erheben
Erhältst du eine Zahlungsaufforderung für eine verjährte Forderung, zahl nicht und antworte schriftlich. Wichtig: Erkenne die Forderung in keinem Satz an und biete keine Raten an. Erhältst du einen Mahnbescheid, lege innerhalb von zwei Wochen Widerspruch ein – sonst droht ein Vollstreckungsbescheid, und dann gilt die 30-jährige Frist.
Ihr Schreiben vom [Datum], Ihr Zeichen [Aktenzeichen/Rechnungsnummer] Sehr geehrte Damen und Herren, Sie fordern von mir die Zahlung von [Betrag] € aus [Rechnung/Vertrag] vom [Datum]. Die Forderung ist verjährt. Die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren (§§ 195, 199 BGB) ist mit Ablauf des 31.12.[Jahr] abgelaufen. Ich erhebe hiermit ausdrücklich die Einrede der Verjährung und verweigere die Zahlung (§ 214 Abs. 1 BGB). Bitte bestätigen Sie mir schriftlich, dass Sie die Forderung nicht weiter verfolgen. Mit freundlichen Grüßen [Name, Anschrift]
Verlangt ein Inkassobüro zusätzlich Gebühren, sind diese bei einer verjährten Hauptforderung ebenfalls nicht durchsetzbar. Mehr zu Gebühren bei Mahnungen liest du unter Mahngebühren ohne Rechnung, zu Zinsen bei verspäteter Zahlung unter Verzugszinsen.
Häufige Fragen
Wann verjährt eine Rechnung?
In der Regel nach drei Jahren, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem die Forderung fällig wurde. Eine 2023 fällige Rechnung verjährt also mit Ablauf des 31.12.2026.
Ich habe keine Rechnung erhalten – läuft die Verjährung trotzdem?
Beim Kauf und bei den meisten Werkleistungen ja, weil die Forderung auch ohne Rechnung fällig wird. Bei Arzthonoraren (§ 12 GOÄ) und Bauverträgen (§ 650g BGB) wird die Forderung dagegen erst mit der Rechnung fällig; vorher beginnt die Verjährung nicht.
Wann verjähren Arztrechnungen?
Drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem dir die ordnungsgemäße Rechnung zugegangen ist. Das Behandlungsdatum ist dafür nicht entscheidend.
Stoppt eine Mahnung die Verjährung?
Nein. Die Verjährung wird nur durch Mahnbescheid, Klage, Verhandlungen oder ähnliche Schritte gehemmt oder durch ein Anerkenntnis des Schuldners (z. B. Teilzahlung) neu in Gang gesetzt.
Muss ich eine verjährte Rechnung bezahlen?
Nein, du darfst die Zahlung verweigern, musst dich aber ausdrücklich auf die Verjährung berufen. Hast du schon gezahlt, kannst du das Geld nicht zurückverlangen.
Quellen
- § 195 BGB – Regelmäßige Verjährungsfrist – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html
- § 199 BGB – Beginn der regelmäßigen Verjährungsfrist – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__199.html
- § 214 BGB – Wirkung der Verjährung – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__214.html
- § 650g BGB – Schlussrechnung beim Bauvertrag – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__650g.html
- § 12 GOÄ – Fälligkeit der ärztlichen Vergütung – https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/__12.html
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