Kontenplan erstellen: So baust du deinen individuellen Kontenplan
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Kurz beantwortet
- Ein Kontenplan ist die Liste aller Konten, die ein Unternehmen tatsächlich bebucht. Er wird aus einem Kontenrahmen wie SKR03 oder SKR04 abgeleitet.
- Der Kontenrahmen ist die Vorlage für viele Betriebe, der Kontenplan die auf deinen Betrieb zugeschnittene Auswahl.
- Gesetzlich vorgeschrieben ist kein bestimmter Kontenrahmen. Die Buchführung muss aber vollständig, geordnet und nachvollziehbar sein (§ 238, § 239 HGB, GoBD).
- In Buchhaltungsprogrammen wählst du den Kontenrahmen beim Einrichten, blendest unnötige Konten aus und legst bei Bedarf eigene Unterkonten an.
Was ist ein Kontenplan?
Ein Kontenplan ist das Verzeichnis aller Sachkonten, die ein bestimmtes Unternehmen in seiner Buchhaltung verwendet. Jedes Konto hat eine Nummer und eine Bezeichnung, zum Beispiel „1200 Bank“ oder „4210 Miete“. Der Kontenplan legt damit fest, wo welcher Geschäftsvorfall gebucht wird.
Der Kontenplan ist kein frei erfundenes Dokument. Er wird in aller Regel aus einem Kontenrahmen abgeleitet, also aus einer standardisierten Vorlage für viele Betriebe.
Kontenrahmen und Kontenplan: der Unterschied
| Kontenrahmen | Kontenplan | |
|---|---|---|
| Zweck | Einheitliche Vorlage für viele Unternehmen oder eine Branche | Konkrete Kontenliste eines einzelnen Unternehmens |
| Umfang | Mehrere tausend Konten | Meist 50 bis 300 tatsächlich genutzte Konten |
| Beispiele | DATEV SKR03, SKR04, Industriekontenrahmen (IKR), Branchenkontenrahmen | „Kontenplan der Muster GmbH“ |
| Wer legt fest? | Verbände, Softwareanbieter | Das Unternehmen bzw. sein Steuerbüro |
Aufbau: Kontenklassen, Kontengruppen, Konten
Kontenrahmen in Deutschland folgen dem Zehnersystem. Die erste Ziffer der Kontonummer nennt die Kontenklasse (0 bis 9), die zweite die Kontengruppe, die weiteren Ziffern das einzelne Konto. Im SKR04 sind die Klassen nach der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung geordnet:
| Klasse (SKR04) | Inhalt | Beispielkonten |
|---|---|---|
| 0 | Anlagevermögen | 0520 Pkw, 0650 Büroeinrichtung |
| 1 | Umlaufvermögen | 1200 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, 1600 Kasse, 1800 Bank |
| 2 | Eigenkapital | 2000 Festkapital, 2100 Privatentnahmen |
| 3 | Fremdkapital | 3150 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, 3300 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen |
| 4 | Betriebliche Erträge | 4400 Erlöse 19 % USt |
| 5 | Material- und Wareneinkauf | 5400 Wareneingang 19 % Vorsteuer |
| 6 | Betriebliche Aufwendungen | 6000 Löhne und Gehälter, 6310 Miete, 6815 Bürobedarf |
| 7 | Weitere Erträge und Aufwendungen | 7300 Zinsaufwand |
| 9 | Vortrags- und statistische Konten | 9000 Saldenvorträge |
Im SKR03 ist die Ordnung anders: Klasse 1 enthält dort zum Beispiel Kasse (1000) und Bank (1200), Klasse 4 die betrieblichen Aufwendungen und Klasse 8 die Erlöse. Die Kontennummern können sich je nach Softwareversion leicht unterscheiden. Maßgeblich ist die Kontenliste deines Programms.
Kontenplan erstellen in 6 Schritten
- Kontenrahmen wählen. SKR03 ist bei kleinen Betrieben, Handwerk und Dienstleistern verbreitet. SKR04 entspricht dem Aufbau des Jahresabschlusses und wird oft von Kapitalgesellschaften genutzt. Arbeitest du mit einem Steuerbüro, übernimm dessen Kontenrahmen. Ein späterer Wechsel ist möglich, aber mühsam.
- Geschäftsvorfälle sammeln. Geh Kontoauszüge, Rechnungen und Verträge eines Jahres durch. Welche Einnahmen hast du, welche Kosten fallen regelmäßig an, welches Vermögen und welche Schulden gibt es?
- Bestandskonten auswählen. Bank, Kasse, Forderungen, Verbindlichkeiten, Darlehen, Anlagevermögen, Eigenkapital und Privatkonten.
- Erfolgskonten auswählen. Erlöskonten nach Steuersatz (19 %, 7 %, steuerfrei, Ausland) und alle Aufwandskonten, die du wirklich brauchst.
- Unterkonten ergänzen. Wenn du Kosten genauer auswerten möchtest, lege Unterkonten an, etwa getrennte Erlöskonten für zwei Produktgruppen. Bleib dabei im Nummernbereich der passenden Klasse.
- Dokumentieren und pflegen. Halte fest, was auf welches Konto gehört (Kontierungsrichtlinie). Neue Konten legst du nur an, wenn ein neuer Sachverhalt entsteht.
Beispiel: Kontenplan für eine Grafikdesignerin (SKR03)
Die genauen Nummern prüfst du in der Kontenliste deines Programms. Wichtig ist das Prinzip: wenige, klar benannte Konten, die genau zu den Geschäftsvorfällen passen.
Kontenplan in der Buchhaltungssoftware anpassen
Bei Programmen wie DATEV, Lexware oder sevDesk legst du den Kontenrahmen beim Einrichten des Mandanten fest. Danach kannst du meist:
- nicht benötigte Konten ausblenden oder als Favoriten nur die genutzten Konten anzeigen,
- eigene Konten in freien Nummernbereichen anlegen und benennen,
- Buchungsregeln hinterlegen, damit wiederkehrende Bankumsätze automatisch auf das richtige Konto gehen.
Einen fertigen Kontenplan zum Ausdrucken brauchst du nicht. Die GoBD verlangen aber, dass deine Buchführung für einen Prüfer in angemessener Zeit nachvollziehbar ist. Eine kurze Beschreibung, welche Konten du wofür verwendest, gehört deshalb zur Verfahrensdokumentation.
Was ist ein Kontenblatt?
Das Kontenblatt (auch Kontoblatt) zeigt alle Buchungen eines einzelnen Kontos in einem Zeitraum: Datum, Belegnummer, Buchungstext, Gegenkonto, Betrag im Soll oder Haben und den laufenden Saldo. Es ist das Werkzeug, mit dem du prüfst, ob ein Konto stimmt, etwa ob alle Mieten gebucht wurden. Wie Soll und Haben dabei funktionieren, erklärt der Beitrag Soll und Haben; die Grundlagen der doppelten Buchführung findest du in einem eigenen Artikel.
Häufige Fragen
Was ist ein Kontenplan?
Ein Kontenplan ist die Liste aller Konten, die ein Unternehmen tatsächlich in seiner Buchhaltung verwendet. Er wird aus einem Kontenrahmen wie SKR03 oder SKR04 abgeleitet und auf den Betrieb zugeschnitten.
Was ist der Unterschied zwischen Kontenrahmen und Kontenplan?
Der Kontenrahmen ist eine Vorlage für viele Unternehmen mit tausenden Konten. Der Kontenplan ist die Auswahl daraus, die ein einzelnes Unternehmen nutzt, ergänzt um eigene Unterkonten.
Ist ein bestimmter Kontenrahmen vorgeschrieben?
Nein. Das Gesetz schreibt keinen bestimmten Kontenrahmen vor. Die Buchführung muss aber vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet sein und einem Dritten einen Überblick ermöglichen (§ 238 und § 239 HGB, § 145 und § 146 AO).
Kann ich in der Buchhaltungssoftware den Kontenrahmen anpassen?
Ja, die meisten Programme erlauben eigene Konten in freien Nummernbereichen und das Ausblenden ungenutzter Konten. Den Kontenrahmen selbst wechselst du am besten nur zum Beginn eines Geschäftsjahres.
Quellen
- § 238 HGB – Buchführungspflicht – https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__238.html
- § 239 HGB – Führung der Handelsbücher – https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__239.html
- § 145 AO – Allgemeine Anforderungen an Buchführung und Aufzeichnungen – https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__145.html
- § 146 AO – Ordnungsvorschriften für die Buchführung – https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__146.html
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