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Girokonto vergleichen: Worauf es ankommt und wie der Wechsel klappt

Geprüft am 09.10.20265 QuellenLesezeit 4 Minuten
Inhalt dieser Seite
  1. Warum sich ein Vergleich lohnt
  2. Diese Kosten und Leistungen solltest du vergleichen
  3. Der staatliche Kontenvergleich der BaFin
  4. So funktioniert der Kontowechsel
  5. Deine Rechte als Kontoinhaber
  6. Häufige Fragen

Kurz beantwortet

  • Kontoführung ist längst nicht mehr überall kostenlos. Entscheidend sind die Gesamtkosten im Jahr: Grundgebühr, Karten, Buchungen, Bargeld und Dispozinsen.
  • Einen neutralen, werbefreien Vergleich aller Privatgirokonten bietet seit Januar 2025 die BaFin unter kontenvergleich.bafin.de (Vergleichswebsite nach § 16 Zahlungskontengesetz).
  • Den Wechsel müssen deine alte und deine neue Bank auf Wunsch unterstützen: Die Kontowechselhilfe nach §§ 20 ff. Zahlungskontengesetz überträgt Daueraufträge und Lastschriften.
  • Gebührenerhöhungen darf die Bank nicht einfach durch Schweigen des Kunden einführen; dafür braucht sie deine Zustimmung (BGH, Urteil vom 27.04.2021, XI ZR 26/20).

Warum sich ein Vergleich lohnt

Viele Menschen führen ihr Girokonto seit Jahrzehnten bei derselben Bank. Seit der Niedrigzinsphase haben aber zahlreiche Banken und Sparkassen Kontoführungsgebühren eingeführt oder erhöht. Je nach Modell kommen im Jahr leicht dreistellige Beträge zusammen – für Leistungen, die anderswo günstiger oder kostenlos sind. Wer vergleicht, kann diese Kosten deutlich senken. Das Girokonto ist dabei kein Anlageprodukt: Guthaben wird dort meist kaum verzinst, für Ersparnisse eignen sich Tages- oder Festgeld besser.

Diese Kosten und Leistungen solltest du vergleichen

KriteriumWorauf achten
Kontoführungsgebührmonatlicher Grundpreis; gilt „kostenlos“ nur mit Mindestgeldeingang oder bis zu einem Alter?
KartenKosten der Girocard und der Kreditkarte bzw. Debitkarte; Zusatzkarten für Partner
BuchungenPreise für beleghafte Überweisungen, Buchungsposten, Kontoauszüge per Post
BargeldWie viele Automaten sind kostenlos nutzbar? Gebühren an fremden Automaten und im Ausland; Möglichkeit zur Bargeldeinzahlung
DispozinsZinssatz für die eingeräumte Überziehung und für die geduldete Überziehung darüber hinaus
FremdwährungAuslandseinsatzentgelt bei Kartenzahlung außerhalb des Euroraums
ServiceFiliale vor Ort oder reine Online-Bank, Erreichbarkeit, Qualität der Banking-App
Beispiel: Ein Konto kostet 6,90 € im Monat, die Girocard 12 € im Jahr, und zehn Mal im Jahr hebst du an einem fremden Automaten für je 3 € ab. Das ergibt 82,80 € + 12 € + 30 € = 124,80 € im Jahr. Ein Konto ohne Grundgebühr mit kostenloser Karte spart in diesem Fall über 100 € jährlich – wenn du dort ebenso gebührenfrei an Bargeld kommen.

Dispozinsen genau ansehen

Der Dispositionskredit ist eine der teuersten Kreditformen. Die Zinssätze liegen bei vielen Banken deutlich über denen von Ratenkrediten, und für die geduldete Überziehung über den Rahmen hinaus kommt oft noch ein Aufschlag dazu. Wer sein Konto regelmäßig überzieht, sollte beim Vergleich vor allem auf den Dispozins achten – oder den Dispo durch einen günstigeren Ratenkredit ablösen. Banken müssen Kunden, die ihren Dispo dauerhaft und erheblich nutzen, eine Beratung über günstigere Alternativen anbieten (§ 504a BGB).

Der staatliche Kontenvergleich der BaFin

Private Vergleichsportale finanzieren sich oft über Provisionen und zeigen nicht immer alle Banken. Seit dem 15. Januar 2025 betreibt deshalb die Finanzaufsicht BaFin eine eigene Vergleichswebsite unter kontenvergleich.bafin.de. Grundlage ist § 16 ZKG: Alle Anbieter von Privatgirokonten müssen ihre Preise dorthin melden. Der Vergleich ist kostenlos, werbefrei und enthält auch Basiskonten sowie Konten für Schüler, Studierende und Senioren. Ein Konto eröffnest du anschließend direkt bei der Bank.

Hilfreich ist außerdem die Entgeltinformation: Jede Bank muss dir vor Vertragsschluss eine standardisierte Übersicht aller Preise geben, und Bestandskunden erhalten einmal im Jahr eine Entgeltaufstellung mit allen gezahlten Gebühren (§§ 5 ff. ZKG). Damit siehst du schwarz auf weiß, was dein Konto dich kostet.

So funktioniert der Kontowechsel

  1. Neues Konto eröffnen: Online mit Video- oder Online-Ausweis-Identifizierung oder in der Filiale.
  2. Kontowechselhilfe beauftragen: Mit einer Ermächtigung beauftragst du die neue Bank. Sie fordert bei der alten Bank die Liste der Daueraufträge und Lastschriften an, richtet die Daueraufträge neu ein und informiert auf Wunsch Zahlungspflichtige und Lastschrift-Empfänger wie Arbeitgeber, Vermieter oder Versicherungen über die neue IBAN (§§ 20 bis 26 ZKG). Viele Banken bieten zusätzlich einen digitalen Kontowechselservice an.
  3. Parallelphase: Lass das alte Konto einige Wochen laufen, bis alle Zahlungen über das neue Konto laufen.
  4. Altes Konto kündigen: Guthaben überweisen lassen und Kündigung schriftlich bestätigen lassen.
Achtung: Prüfe vor dem Wechsel, ob am alten Konto ein Kredit, eine Kreditkarte oder ein Depot hängt. Diese Verträge laufen nicht automatisch mit.

Deine Rechte als Kontoinhaber

  • Basiskonto: Jeder Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU hat Anspruch auf ein Girokonto mit grundlegenden Funktionen, auch ohne festen Wohnsitz oder bei schlechter Bonität (§ 31 ZKG). Die Entgelte dafür müssen angemessen sein.
  • Gebührenerhöhungen: Der Bundesgerichtshof hat 2021 entschieden, dass Banken Vertragsänderungen nicht einfach dadurch durchsetzen dürfen, dass der Kunde nicht widerspricht (Urteil XI ZR 26/20). Für höhere Gebühren braucht die Bank deine Zustimmung.
  • Echtzeitüberweisung: Seit dem 9. Oktober 2025 dürfen Banken im Euroraum für Echtzeitüberweisungen nicht mehr verlangen als für normale Überweisungen. Außerdem prüfen sie vor jeder Überweisung, ob Empfängername und IBAN zusammenpassen (Empfängerüberprüfung).
  • Einlagensicherung: Guthaben sind bei Banken in der EU gesetzlich bis 100.000 € pro Kunde und Bank geschützt.

Mehr zu Bankgeschäften liest du in den Beiträgen Wie lange dauern Auslandsüberweisungen? und Wo kann man jetzt noch sparen? Wer Geld langfristig anlegen will, findet einen Einstieg unter Aktiendepots.

Häufige Fragen

Lohnt es sich, das Girokonto zu wechseln?

Oft ja. Wer heute mehrere Euro im Monat für Kontoführung, Karten und Bargeld zahlt, kann mit einem günstigeren Modell schnell 50 bis über 100 € im Jahr sparen. Die Kontowechselhilfe der Banken macht den Wechsel einfach.

Wo kann ich Girokonten neutral vergleichen?

Auf der Vergleichswebsite der BaFin unter kontenvergleich.bafin.de. Sie ist kostenlos, werbefrei und enthält die gemeldeten Preise aller Anbieter von Privatgirokonten.

Was ist die Kontowechselhilfe?

Ein gesetzlicher Service nach dem Zahlungskontengesetz: Alte und neue Bank übertragen auf deinen Auftrag Daueraufträge und Lastschriften und informieren auf Wunsch deine Zahlungspartner über die neue IBAN.

Darf meine Bank einfach die Kontogebühren erhöhen?

Nicht durch bloßes Schweigen des Kunden. Nach dem BGH-Urteil vom 27.04.2021 (XI ZR 26/20) braucht die Bank für Gebührenerhöhungen deine Zustimmung.

Quellen

  1. Zahlungskontengesetz (ZKG) – https://www.gesetze-im-internet.de/zkg/
  2. § 16 ZKG – Vergleichswebsite – https://www.gesetze-im-internet.de/zkg/__16.html
  3. BaFin – Kontenvergleich – https://kontenvergleich.bafin.de/
  4. BGH – Pressemitteilung Nr. 88/2021 zu Zustimmungsfiktionsklauseln – https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/2021088.html
  5. Verordnung (EU) 2024/886 – Sofortzahlungen in Euro – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R0886
Redaktion CaptainGeld. Erstmals veröffentlicht im März 2013, inhaltlich geprüft am 09.10.2026. Kein Ersatz für eine Beratung im Einzelfall.

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