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Leasing: Definition, Funktionsweise, Vor- und Nachteile

Geprüft am 09.10.20263 QuellenLesezeit 6 Minuten
Inhalt dieser Seite
  1. Was ist Leasing? Definition
  2. Wie funktioniert Leasing?
  3. Leasingarten im Überblick
  4. Vorteile und Nachteile von Leasing
  5. Leasingangebote vergleichen: Leasingfaktor und Gesamtkosten
  6. Leasing für Unternehmen und Selbstständige
  7. Worauf du beim Leasingvertrag achten solltest
  8. Für wen lohnt sich Leasing?
  9. Häufige Fragen

Kurz beantwortet

  • Leasing ist eine Art Miete mit Finanzierungscharakter: Der Leasinggeber kauft das Gut und überlässt es dir gegen monatliche Raten. Eigentümer bleibt der Leasinggeber.
  • Beim Autoleasing gibt es vor allem Kilometerleasing (Abrechnung nach gefahrenen Kilometern) und Restwertleasing (du haftest für einen vereinbarten Restwert).
  • Vorteile: geringe Anfangsinvestition, planbare Raten, für Betriebe sind die Raten Betriebsausgaben. Nachteile: meist teurer als Barkauf, kein Eigentum, kaum kündbar, Nachzahlungen bei Rückgabe möglich.
  • Ein gesetzliches Widerrufsrecht haben Verbraucher nur bei bestimmten Leasingverträgen, etwa mit Restwertgarantie, nicht beim reinen Kilometerleasing (BGH, VIII ZR 36/20).

Was ist Leasing? Definition

Das englische Wort „to lease“ heißt mieten oder pachten. Beim Leasing überlässt ein Leasinggeber (Leasinggesellschaft, Bank oder Hersteller) einem Leasingnehmer ein Wirtschaftsgut für eine feste Zeit. Der Leasingnehmer zahlt dafür eine monatliche Rate, oft zusätzlich eine Sonderzahlung zu Beginn.

Rechtlich ist Leasing ein Vertrag eigener Art, der vor allem nach Mietrecht beurteilt wird. Wirtschaftlich ist es eine Finanzierung: Du nutzt etwas, ohne den Kaufpreis auf einmal aufbringen zu müssen. Der Leasinggeber bleibt Eigentümer, du bist nur Besitzer. Geleast werden vor allem Autos, Maschinen, IT, Büroausstattung und Immobilien.

Wie funktioniert Leasing?

  1. Du suchst das Objekt aus, zum Beispiel einen Neuwagen beim Autohaus.
  2. Die Leasinggesellschaft kauft das Fahrzeug und schließt mit dir den Leasingvertrag.
  3. Du zahlst über die Laufzeit (häufig 24 bis 48 Monate) die vereinbarten Raten und trägst Wartung, Reparaturen und Versicherung. Beim Auto ist eine Vollkaskoversicherung meist Pflicht.
  4. Am Ende gibst du das Objekt zurück. Je nach Vertrag wird abgerechnet, oder du kannst bzw. musst es kaufen.

Die Rate richtet sich nach dem erwarteten Wertverlust während der Laufzeit, den Zinsen und dem Gewinn des Leasinggebers. Je höher die Sonderzahlung, desto niedriger die monatliche Rate. Die Gesamtkosten werden dadurch aber nicht kleiner.

Leasingarten im Überblick

Kilometerleasing

Du vereinbarst eine Laufleistung, etwa 10.000 km pro Jahr. Bei der Rückgabe werden Mehrkilometer nachberechnet, Minderkilometer teils erstattet. Zusätzlich zahlst du für Schäden, die über normale Gebrauchsspuren hinausgehen. Das Restwertrisiko trägt der Leasinggeber. Kilometerleasing ist im Privatkundengeschäft die häufigste Form.

Restwertleasing

Im Vertrag steht ein kalkulierter Restwert. Erzielt der Leasinggeber beim Verkauf weniger, zahlst du die Differenz nach. Ist der Restwert zu hoch angesetzt, wirkt die Rate günstig, am Ende droht aber eine hohe Nachzahlung. Rechne den Restwert daher immer gegen übliche Gebrauchtwagenpreise.

Finanzierungsleasing und Operating Leasing

Im Geschäftsbereich unterscheidet man das Finanzierungsleasing (lange, unkündbare Grundmietzeit, der Leasingnehmer trägt die Risiken) vom Operating Leasing (kurz, oft kündbar, ähnlich einer Miete, Service meist inklusive). Daneben gibt es Vollamortisationsverträge, bei denen die Raten die gesamten Kosten des Leasinggebers decken, und Teilamortisationsverträge mit Restwert, Andienungsrecht oder Kaufoption.

Kombinierte Verträge mit Kaufoption

Manche Verträge sehen vor, dass du das Objekt am Ende zum Restwert übernehmen kannst. Beim Andienungsrecht kann der Leasinggeber dich sogar zum Kauf verpflichten. Prüfe diese Klausel vor der Unterschrift genau.

Vorteile und Nachteile von Leasing

VorteileNachteile
wenig oder kein Eigenkapital nötig, die Liquidität bleibt erhalteninsgesamt meist teurer als Barkauf oder günstiger Kredit
feste Raten, gut planbarkein Eigentum, am Ende bleibt nichts außer ggf. einer Kaufoption
regelmäßig neue Technik oder neues Autovorzeitige Kündigung durch dich meist ausgeschlossen
Raten sind für Betriebe BetriebsausgabenNachzahlungen bei Rückgabe (Mehrkilometer, Schäden, Restwert)
bei Kilometerleasing kein RestwertrisikoPflichten zu Versicherung, Wartung und Pflege
Herstelleraktionen können Leasing günstig machenbei Zahlungsverzug kann der Leasinggeber fristlos kündigen und Schadensersatz verlangen

Ob Leasing sich lohnt, zeigt nur ein Vergleich der Gesamtkosten: Addiere Sonderzahlung, alle Raten, Überführung und zu erwartende Rückgabekosten. Stell dem den Kaufpreis plus Kreditzinsen minus dem Wiederverkaufswert gegenüber. Welche Rolle Eigen- und Fremdkapital spielen, erklärt unser Beitrag Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung.

Leasingangebote vergleichen: Leasingfaktor und Gesamtkosten

Um Angebote schnell zu vergleichen, nutzen viele den Leasingfaktor. Er setzt die Monatsrate ins Verhältnis zum Listenpreis.

Leasingfaktor = Monatsrate ÷ Bruttolistenpreis × 100

Je niedriger der Faktor, desto günstiger ist das Angebot im Verhältnis zum Fahrzeugwert. Eine Sonderzahlung verfälscht den Vergleich. Rechne sie deshalb auf die Laufzeit um und schlag sie der Rate zu.

Beispiel: Listenpreis 40.000 €, Laufzeit 36 Monate, Rate 380 €, Sonderzahlung 3.600 €. Umgelegt sind das 3.600 € ÷ 36 = 100 € im Monat, die effektive Rate beträgt also 480 €. Leasingfaktor: 480 ÷ 40.000 × 100 = 1,2. Gesamtkosten ohne Rückgabekosten: 36 × 380 € + 3.600 € = 17.280 €. Dazu kommen Überführung, Zulassung und Versicherung.

Der Leasingfaktor sagt nichts über Laufleistung, Rückgabebedingungen und Restwertrisiko. Vergleiche deshalb nur Angebote mit gleicher Laufzeit und gleichen Kilometern und lies die Rückgaberegeln mit. Prozentrechnungen wie diese erklärt unser Beitrag Prozentrechnung.

Leasing für Unternehmen und Selbstständige

Für Betriebe ist Leasing eine echte Alternative zum Kredit, weil Bankkredite oft Sicherheiten verlangen, das Leasinggut aber selbst als Sicherheit dient. Weitere Punkte:

  • Steuern: Die Leasingraten sind Betriebsausgaben, soweit das Gut betrieblich genutzt wird. Eine Sonderzahlung verteilen Bilanzierende über die Laufzeit. Bei Firmenwagen mit Privatnutzung ist der private Anteil zu versteuern.
  • Zurechnung: Das Leasinggut steht in der Regel in der Bilanz des Leasinggebers. Das gilt nach den Leasingerlassen der Finanzverwaltung, wenn die Grundmietzeit zwischen 40 % und 90 % der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle liegt. Sonst wird es dir zugerechnet, und du musst es selbst aktivieren und abschreiben.
  • Gewerbesteuer: Ein Fünftel der Leasingraten für bewegliche Güter (bei Elektro- und bestimmten Hybridfahrzeugen sowie Fahrrädern die Hälfte davon) und die Hälfte bei Immobilien fließen in die Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 GewStG. Davon wird ein Viertel hinzugerechnet, aber nur, soweit alle Hinzurechnungsbeträge zusammen 200.000 € übersteigen. Kleine Betriebe sind daher meist nicht betroffen.
  • Bilanz nach IFRS: Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, müssen seit 2019 die meisten Leasingverträge beim Leasingnehmer zeigen (IFRS 16). Das Argument „bilanzneutral“ gilt dort nicht mehr. Für das deutsche Handelsrecht bleibt es meist dabei.

Wenn du ein Fahrzeug nur flexibel brauchst, kann auch eine Pkw-Langzeitmiete passen.

Worauf du beim Leasingvertrag achten solltest

  • Laufleistung realistisch wählen: Mehrkilometer sind teuer. Lieber etwas mehr vereinbaren.
  • Restwert prüfen: Bei Restwertverträgen ist ein überhöhter Restwert das größte Risiko.
  • Rückgabe dokumentieren: Lass den Zustand bei Übernahme und Rückgabe mit Fotos und Protokoll festhalten. Bestehe bei Streit über Schäden auf ein unabhängiges Gutachten.
  • GAP-Deckung: Bei Totalschaden oder Diebstahl zahlt die Kaskoversicherung nur den Wiederbeschaffungswert. Eine GAP-Versicherung deckt die Lücke zum höheren Ablösewert.
  • Kündigung: Der Vertrag ist für die Laufzeit fest. Ein vorzeitiger Ausstieg ist meist nur per Aufhebungsvertrag oder Übernahme durch einen Nachmieter möglich und kostet Geld.
  • Widerruf: Verbraucher können Leasingverträge nur widerrufen, wenn sie eine Erwerbspflicht, ein Andienungsrecht oder eine Restwertgarantie enthalten (§ 506 Abs. 2 BGB). Beim reinen Kilometerleasing besteht laut BGH kein gesetzliches Widerrufsrecht.
Achtung: Gerät der Leasingnehmer mit Raten in Verzug, darf der Leasinggeber kündigen und das Objekt zurückholen. Er verlangt dann meist Schadensersatz für die entgangenen Raten. Bei Zahlungsschwierigkeiten früh mit dem Leasinggeber sprechen.

Für wen lohnt sich Leasing?

Leasing passt vor allem, wenn du

  • regelmäßig ein neues Fahrzeug oder neue Technik möchtest,
  • deine jährliche Fahrleistung gut kennst und das Auto pfleglich behandelst,
  • als Unternehmen Liquidität schonen und Kosten planbar halten willst.

Weniger geeignet ist Leasing, wenn du ein Auto lange fahren willst, viele Kilometer schwanken oder dein Budget knapp ist. Dann ist der Kauf mit Eigenkapital oder einem günstigen Kredit oft billiger. Wie du Raten- und Finanzierungsangebote vergleichst, liest du im Beitrag Ratenkauf im Internet.

Häufige Fragen

Was ist Leasing einfach erklärt?

Leasing ist eine Art langfristige Miete: Eine Leasinggesellschaft kauft ein Auto oder eine Maschine und überlässt es dir gegen monatliche Raten für eine feste Laufzeit. Eigentümer bleibt die Leasinggesellschaft, am Ende gibst du das Objekt zurück oder kaufst es.

Welche Voraussetzungen gibt es für Leasing?

Der Leasinggeber prüft deine Bonität, meist mit einer Schufa-Auskunft und Einkommensnachweisen, bei Firmen mit Bilanzen oder BWA. Beim Autoleasing ist in der Regel eine Vollkaskoversicherung Pflicht.

Kann man einen Leasingvertrag kündigen?

Ordentlich in der Regel nicht, die Laufzeit ist fest vereinbart. Möglich sind ein Aufhebungsvertrag gegen Ausgleichszahlung oder die Übernahme durch einen anderen Leasingnehmer, wenn der Leasinggeber zustimmt.

Ist Leasing oder Finanzierung günstiger?

Das hängt vom Einzelfall ab. Vergleiche die Gesamtkosten: Beim Leasing alle Zahlungen plus Rückgabekosten, beim Kauf Kaufpreis und Zinsen minus dem späteren Verkaufserlös. Wer ein Auto lange fährt, fährt mit Kauf oft günstiger.

Quellen

  1. § 506 BGB – Zahlungsaufschub, sonstige Finanzierungshilfe – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__506.html
  2. § 8 GewStG – Hinzurechnungen – https://www.gesetze-im-internet.de/gewstg/__8.html
  3. Bundesgerichtshof – Urteil VIII ZR 36/20 (Kilometerleasing, kein Widerrufsrecht) – https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/2021039.html
Redaktion CaptainGeld. Erstmals veröffentlicht im Januar 2013, inhaltlich geprüft am 09.10.2026. Kein Ersatz für eine Beratung im Einzelfall.

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