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Zinseszins: Formel, Beispiele und Aufgaben mit Lösungen

Geprüft am 09.10.20263 QuellenLesezeit 5 Minuten
Inhalt dieser Seite
  1. Zinseszins: Definition
  2. Die Zinseszinsformel
  3. Beispiel: Einfacher Zins und Zinseszins im Vergleich
  4. Formel umstellen: Anfangskapital, Zinssatz, Laufzeit
  5. Unterjährige Verzinsung: monatlich oder vierteljährlich
  6. Zinseszins beim Sparplan
  7. Was den Zinseszins bremst: Steuern und Inflation
  8. Zinseszins bei Schulden
  9. Zinseszins-Aufgaben mit Lösungen
  10. Häufige Fragen

Kurz beantwortet

  • Zinseszins bedeutet: Gutgeschriebene Zinsen werden in den Folgejahren mitverzinst.
  • Die Formel lautet Kn = K0 × (1 + p ÷ 100)^n, mit Endkapital Kn, Anfangskapital K0, Zinssatz p und Laufzeit n in Jahren.
  • Beispiel: 10.000 € zu 5 % werden in 30 Jahren zu 43.219,42 €, ohne Zinseszins wären es 25.000 €.
  • Faustregel: 72 ÷ Zinssatz = ungefähre Jahre bis zur Verdopplung.

Zinseszins heißt: Du bekommst nicht nur Zinsen auf dein Startkapital, sondern auch auf die Zinsen, die du in den Vorjahren erhalten haben. Dadurch wächst ein Guthaben, aber auch eine Schuld, mit der Zeit immer schneller. Hier findest du die Zinseszinsformel, Beispiele, Aufgaben mit Lösungen und einen Rechner.

Zinseszins: Definition

Von Zinseszins spricht man, wenn Zinsen nicht ausgezahlt, sondern dem Kapital zugeschlagen werden und in der nächsten Periode selbst mitverzinst werden. Bei einfacher Verzinsung gibt es dagegen jedes Jahr Zinsen nur auf das ursprüngliche Kapital.

Beispiel: Du legst 10.000 € zu 5 % pro Jahr an. Nach dem ersten Jahr hast du 10.500 €. Im zweiten Jahr gibt es 5 % auf 10.500 €, also 525 € statt 500 €. Die zusätzlichen 25 € sind der Zinseszins.

Die Zinseszinsformel

Kn = K0 × (1 + p ÷ 100)^n

  • Kn = Endkapital nach n Jahren
  • K0 = Anfangskapital
  • p = Zinssatz in Prozent pro Jahr
  • n = Anzahl der Jahre (Zinsperioden)

Den Ausdruck (1 + p ÷ 100) nennt man Zinsfaktor q. Bei 5 % ist q = 1,05. Die Formel lautet dann kurz Kn = K0 × q^n. Auf dem Taschenrechner gibst du zum Beispiel 10000 × 1,05 ^ 10 ein (die Potenztaste heißt je nach Gerät ^, x^y oder y^x).

Beispiel: Einfacher Zins und Zinseszins im Vergleich

10.000 € zu 5 % pro Jahr, Zinsen werden jährlich gutgeschrieben:

JahreEinfache VerzinsungMit ZinseszinsVorsprung
110.500,00 €10.500,00 €0,00 €
512.500,00 €12.762,82 €262,82 €
1015.000,00 €16.288,95 €1.288,95 €
2020.000,00 €26.532,98 €6.532,98 €
3025.000,00 €43.219,42 €18.219,42 €

Am Anfang ist der Unterschied klein, nach Jahrzehnten wird er groß. Das meint man mit „exponentiellem Wachstum“: Entscheidend sind vor allem Zeit und Zinssatz.

Formel umstellen: Anfangskapital, Zinssatz, Laufzeit

GesuchtFormel
EndkapitalKn = K0 × q^n
Anfangskapital (Barwert)K0 = Kn ÷ q^n
Zinssatzp = (n-te Wurzel aus (Kn ÷ K0) − 1) × 100
Laufzeitn = ln(Kn ÷ K0) ÷ ln(q)

Dabei ist q = 1 + p ÷ 100 und „ln“ der natürliche Logarithmus (jeder andere Logarithmus funktioniert ebenso).

Merksatz: Faustregel für die Verdopplung: 72 geteilt durch den Zinssatz ergibt ungefähr die Jahre, bis sich ein Betrag verdoppelt. Bei 6 % sind das etwa 12 Jahre (genau 11,9 Jahre).

Unterjährige Verzinsung: monatlich oder vierteljährlich

Werden Zinsen mehrmals im Jahr gutgeschrieben, teilst du den Jahreszins durch die Zahl der Zinsperioden m und rechnest mit n × m Perioden:

Kn = K0 × (1 + p ÷ (100 × m))^(n × m)

Beispiel: 1.000 € zu 2,5 % pro Jahr, vierteljährliche Gutschrift: Pro Quartal gibt es 2,5 % ÷ 4 = 0,625 %. Nach einem Jahr hast du 1.000 € × 1,00625^4 = 1.025,24 €. Bei jährlicher Gutschrift wären es 1.025,00 €. Wer dagegen versehentlich 2,5 % pro Quartal rechnet, kommt auf 1.103,81 €, das wären über 10 % im Jahr.

Je häufiger verzinst wird, desto höher ist der tatsächliche Jahresertrag. Deshalb geben Banken den effektiven Jahreszins an, der die Zinsgutschriften innerhalb des Jahres schon berücksichtigt.

Zinseszins beim Sparplan

Zahlst du regelmäßig ein, wirkt der Zinseszins auf jede einzelne Einzahlung. Für jährliche Einzahlungen R am Jahresende gilt:

Endkapital = R × (q^n − 1) ÷ (q − 1)

Beispiel: Du sparst 25 Jahre lang jeweils 1.200 € pro Jahr bei 5 % Zins. Eingezahlt hast du 30.000 €, das Endkapital beträgt rund 57.272,52 €. Fast die Hälfte stammt aus Zinsen und Zinseszinsen.

Bei Aktien und Fonds gibt es keinen festen Zins. Werden Dividenden aber wieder angelegt, wirkt derselbe Effekt. Mehr dazu unter Aktiendepots als Geldanlage.

Was den Zinseszins bremst: Steuern und Inflation

  • Steuern: Zinserträge über dem Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Person und Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung) werden mit 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer belastet. Die Steuer verringert den Betrag, der weiter verzinst wird.
  • Inflation: Steigen die Preise um 2 % pro Jahr, wächst die Kaufkraft bei 3 % Zins nur um etwa 1 %. Wie Inflation wirkt, liest du unter Inflation.

Zinseszins bei Schulden

Der Effekt wirkt auch umgekehrt: Werden Zinsen auf eine Schuld nicht bezahlt und dem Kredit zugeschlagen, wächst die Schuld exponentiell. Das passiert zum Beispiel beim Dispo oder bei Kreditkarten, wenn du nur Mindestbeträge zahlst.

Das Gesetz schützt Schuldner dabei teilweise: Eine im Voraus getroffene Vereinbarung, dass fällige Zinsen selbst wieder Zinsen tragen, ist grundsätzlich unwirksam (§ 248 BGB). Ausnahmen gibt es für Banken, etwa bei Spareinlagen und Kontokorrent. Auf Verzugszinsen dürfen ebenfalls keine Verzugszinsen berechnet werden (§ 289 BGB).

Zinseszins-Aufgaben mit Lösungen

Aufgabe 1: Du legst 5.000 € für 8 Jahre zu 3 % an. Wie hoch ist das Endkapital?

Lösung: 5.000 € × 1,03^8 = 6.333,85 €.

Aufgabe 2: Wie viel musst du heute zu 4 % anlegen, um in 10 Jahren 20.000 € zu haben?

Lösung: 20.000 € ÷ 1,04^10 = 13.511,28 €.

Aufgabe 3: Aus 12.000 € sind in 6 Jahren 15.000 € geworden. Wie hoch war der jährliche Zinssatz?

Lösung: 6. Wurzel aus (15.000 ÷ 12.000) = 1,03789, also rund 3,79 % pro Jahr.

Aufgabe 4: Wie lange dauert es, bis sich ein Betrag bei 6 % verdoppelt?

Lösung: n = ln(2) ÷ ln(1,06) = 11,9 Jahre, also 12 volle Jahre.

Aufgabe 5: 10.000 € werden 10 Jahre zu 2 % verzinst, einmal jährlich und einmal monatlich. Wie groß ist der Unterschied?

Lösung: jährlich 10.000 € × 1,02^10 = 12.189,94 €; monatlich 10.000 € × (1 + 0,02 ÷ 12)^120 = 12.211,99 €. Unterschied: 22,05 €.

Weitere Grundlagen zum Rechnen mit Prozenten findest du unter Prozentrechnung.

Zinseszins-Rechner

Endkapital
–
Eingezahlt
–
Davon Zinsen
–

Annahme: monatliche Verzinsung zum gleichen effektiven Jahreszins, Einzahlung jeweils zum Monatsende, ohne Steuern und Kosten.

Häufige Fragen

Wie lautet die Formel für Zinseszins?

Kn = K0 × (1 + p ÷ 100)^n. Kn ist das Endkapital, K0 das Anfangskapital, p der Zinssatz pro Jahr in Prozent und n die Anzahl der Jahre.

Wie rechne ich Zinseszins mit dem Taschenrechner?

Zinsfaktor bilden (bei 3 % also 1,03), mit der Potenztaste hoch Laufzeit nehmen und mit dem Anfangskapital multiplizieren. Beispiel: 5000 × 1,03 ^ 8 = 6.333,85.

Was ist der Unterschied zwischen Zins und Zinseszins?

Beim einfachen Zins gibt es jedes Jahr Zinsen nur auf das Startkapital. Beim Zinseszins werden die Zinsen dem Kapital zugeschlagen und im nächsten Jahr mitverzinst, das Kapital wächst dadurch immer schneller.

Gilt der Zinseszins auch bei Schulden?

Ja, wenn unbezahlte Zinsen dem Kredit zugeschlagen werden, etwa beim Dispo. Im Voraus vereinbarte Zinseszinsen sind außerhalb des Bankgeschäfts aber grundsätzlich unwirksam (§ 248 BGB), und auf Verzugszinsen gibt es keine Verzugszinsen (§ 289 BGB).

Quellen

  1. § 248 BGB – Zinseszinsen – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__248.html
  2. § 289 BGB – Zinseszinsverbot bei Verzugszinsen – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__289.html
  3. § 20 EStG – Kapitalvermögen (Sparer-Pauschbetrag) – https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__20.html
Redaktion CaptainGeld. Erstmals veröffentlicht im Januar 2013, inhaltlich geprüft am 09.10.2026. Kein Ersatz für eine Beratung im Einzelfall.

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