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Überschuldung im Alter: Ursachen, Hilfe und Schutz vor Pfändung

Geprüft am 09.10.20265 QuellenLesezeit 4 Minuten
Inhalt dieser Seite
  1. Was bedeutet Überschuldung?
  2. Typische Ursachen im Alter
  3. Erste Warnzeichen erkennen
  4. Erster Schritt: kostenlose Schuldnerberatung
  5. Pfändungsschutz für Rente und Konto
  6. Einnahmen prüfen: Grundsicherung und Wohngeld
  7. Wenn nichts mehr geht: Verbraucherinsolvenz
  8. Was bedeutet das für Angehörige?
  9. Häufige Fragen

Kurz beantwortet

  • Erste Anlaufstelle ist eine kostenlose Schuldnerberatung von Verbraucherzentrale, Wohlfahrtsverband oder Kommune.
  • Die Rente ist nur oberhalb der Pfändungsfreigrenze pfändbar: 1.587,40 € im Monat ohne Unterhaltspflicht (seit 1. Juli 2026).
  • Ein P-Konto schützt monatlich 1.590 € auf dem Girokonto vor Pfändung.
  • Prüfen Sie Ansprüche auf Wohngeld und Grundsicherung; als letzter Ausweg führt die Verbraucherinsolvenz nach drei Jahren zur Restschuldbefreiung.

Was bedeutet Überschuldung?

Überschuldet ist, wer seine laufenden Zahlungsverpflichtungen auf absehbare Zeit nicht mehr aus Einkommen und Vermögen bezahlen kann – auch wenn er den Lebensunterhalt einschränkt. Schulden allein sind noch kein Problem; kritisch wird es, wenn Raten, Miete und Nebenkosten dauerhaft höher sind als das, was nach dem Notwendigsten übrig bleibt.

Im Ruhestand ist die Lage besonders schwierig: Die Rente steht fest, ein Zuverdienst ist oft nicht mehr möglich, und Zeit, Schulden über viele Jahre abzutragen, bleibt weniger.

Typische Ursachen im Alter

  • Einkommensrückgang beim Übergang in die Rente, ohne dass Ausgaben angepasst werden.
  • Tod oder Trennung des Partners: Eine Rente fällt weg, Wohnung und Fixkosten bleiben gleich.
  • Steigende Kosten für Miete, Energie, Pflege und Gesundheit.
  • Alte Kredite, etwa für die eigene Immobilie, die bis ins Rentenalter laufen.
  • Bürgschaften und Hilfen für Kinder oder Verwandte, die plötzlich fällig werden. Lesen Sie dazu Bürgschaft.
  • Ratenkäufe und Dispokredite, die sich über Jahre aufsummieren.

Erste Warnzeichen erkennen

Handeln Sie, sobald Sie Rechnungen nur noch mit dem Dispo bezahlen, Mahnungen liegen lassen oder neue Kredite aufnehmen, um alte zu bedienen. Je früher Sie reagieren, desto mehr Möglichkeiten bleiben. Verjährte Forderungen müssen Sie übrigens nicht mehr bezahlen, wenn Sie sich auf die Verjährung berufen – Details unter Verjährung.

Erster Schritt: kostenlose Schuldnerberatung

Anerkannte Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen helfen kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr. Sie werden von Verbraucherzentralen, Wohlfahrtsverbänden (Caritas, Diakonie, AWO, DRK) und Kommunen betrieben. Die Berater

  • verschaffen einen Überblick über alle Gläubiger und Forderungen,
  • prüfen, ob Forderungen berechtigt, zu hoch oder verjährt sind,
  • erstellen einen Haushaltsplan,
  • verhandeln mit Gläubigern über Ratenzahlung oder Vergleich,
  • stellen die Bescheinigung für ein höheres P-Konto-Guthaben aus und begleiten bei Bedarf die Verbraucherinsolvenz.
Achtung: Meiden Sie gewerbliche „Schuldenregulierer“, die hohe Vorabgebühren verlangen, und Kredite „ohne Schufa“ zur Umschuldung. Beides verschlimmert die Lage meist.

Pfändungsschutz für Rente und Konto

Renten und Pensionen können wie Arbeitslohn gepfändet werden, aber nur oberhalb der Pfändungsfreigrenze. Seit 1. Juli 2026 bleiben ohne Unterhaltspflicht 1.587,40 € im Monat unpfändbar. Für die erste unterhaltsberechtigte Person erhöht sich der Betrag um 597,42 €, für die zweite bis fünfte um je 332,83 € (Stand: Oktober 2026). Die genaue Berechnung zeigt der Artikel Pfändungsfreigrenze 2026.

Wird Ihr Konto gepfändet, schützt das Pfändungsschutzkonto (P-Konto):

  • Jedes Girokonto kann jederzeit in ein P-Konto umgewandelt werden; bei einer bestehenden Pfändung wirkt die Umstellung ab dem vierten Geschäftstag nach dem Antrag (§ 850k ZPO).
  • Geschützt ist ein monatlicher Grundfreibetrag, der auf den nächsten vollen 10-Euro-Betrag aufgerundet wird – seit Juli 2026 also 1.590 € (§ 899 ZPO).
  • Nicht verbrauchtes Guthaben bleibt in den drei folgenden Monaten zusätzlich geschützt.
  • Höhere Freibeträge, etwa bei Unterhaltspflichten, weisen Sie mit einer Bescheinigung der Schuldnerberatung, des Arbeitgebers oder der Rentenversicherung nach.
  • Jede Person darf nur ein P-Konto führen.

Einnahmen prüfen: Grundsicherung und Wohngeld

Viele Rentnerinnen und Rentner verzichten auf Leistungen, die ihnen zustehen. Prüfen Sie:

  • Wohngeld als Zuschuss zur Miete oder zu den Kosten des Eigenheims.
  • Grundsicherung im Alter, wenn Rente und Vermögen nicht für den Lebensunterhalt reichen. Kinder werden dafür erst ab einem Jahreseinkommen von mehr als 100.000 € herangezogen.
  • Befreiung vom Rundfunkbeitrag und Sozialtarife bei Energie oder Nahverkehr.

Wenn nichts mehr geht: Verbraucherinsolvenz

Scheitert eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern, bleibt die Verbraucherinsolvenz. Nach einem Einigungsversuch mit Bescheinigung einer Beratungsstelle stellen Sie den Antrag beim Amtsgericht. Während der Abtretungsfrist von drei Jahren geht der pfändbare Teil der Rente an einen Treuhänder. Danach erhalten Sie in der Regel die Restschuldbefreiung (§ 287 InsO), und die übrigen Schulden erlöschen. Hausrat für eine bescheidene Lebensführung bleibt unpfändbar.

Merksatz: Auch im Alter ist ein Neustart möglich. Für viele Rentner mit Schulden ist die Insolvenz sogar besonders sinnvoll, weil sie ohnehin nur ein Einkommen unterhalb der Pfändungsgrenze haben.

Was bedeutet das für Angehörige?

Kinder haften nicht automatisch für die Schulden ihrer Eltern, außer sie haben selbst unterschrieben, etwa als Bürge oder Mitschuldner. Im Erbfall können sie ein überschuldetes Erbe innerhalb von sechs Wochen ab Kenntnis ausschlagen (§ 1944 BGB). Vorbeugen hilft: Eine solide Altersvorsorge und ein Kassensturz vor dem Rentenbeginn verhindern viele Probleme.

Häufige Fragen

Kann die Rente gepfändet werden?

Ja, aber nur der Teil oberhalb der Pfändungsfreigrenze. Seit 1. Juli 2026 bleiben ohne Unterhaltspflicht 1.587,40 € monatlich geschützt, mit Unterhaltspflichten mehr.

Wo finden Rentner kostenlose Schuldnerberatung?

Bei Schuldnerberatungsstellen der Verbraucherzentralen, der Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie, AWO und DRK sowie vieler Städte und Landkreise. Adressen nennt auch die örtliche Gemeinde.

Müssen Kinder die Schulden ihrer Eltern bezahlen?

Nein, außer sie haben selbst als Bürge oder Mitschuldner unterschrieben. Ein überschuldetes Erbe können sie innerhalb von sechs Wochen ausschlagen.

Lohnt sich eine Privatinsolvenz im Rentenalter?

Häufig ja. Die Abtretungsfrist beträgt drei Jahre; danach werden die restlichen Schulden in der Regel erlassen. Lassen Sie sich vorher von einer anerkannten Beratungsstelle begleiten.

Quellen

  1. Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 – https://www.gesetze-im-internet.de/pf_ndfreigrbek_2026/----.html
  2. § 850k ZPO – Einrichtung und Beendigung des Pfändungsschutzkontos – https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__850k.html
  3. § 899 ZPO – Pfändungsfreier Betrag – https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__899.html
  4. § 287 InsO – Antrag des Schuldners (Restschuldbefreiung) – https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__287.html
  5. § 1944 BGB – Ausschlagungsfrist – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1944.html
Redaktion CaptainGeld. Erstmals veröffentlicht im November 2016, inhaltlich geprüft am 09.10.2026. Kein Ersatz für eine Beratung im Einzelfall.

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