Kennziffern und Kennzahlen: Bilanzkennzahlen mit Formeln im Überblick
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Kurz beantwortet
- Kennziffern sind absolute Werte aus dem Jahresabschluss, etwa Eigenkapital oder Umsatz.
- Kennzahlen setzen zwei Werte ins Verhältnis, zum Beispiel die Eigenkapitalquote = Eigenkapital ÷ Bilanzsumme × 100.
- Wichtige Gruppen: Finanzierung (Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad), Liquidität (1. bis 3. Grades) und Erfolg (Eigenkapital- und Umsatzrentabilität).
- Aussagekräftig sind Kennzahlen nur im Zeit- oder Branchenvergleich und im Zusammenspiel mehrerer Werte.
Kennziffern und Kennzahlen: der Unterschied
Im Alltag werden beide Begriffe oft gleich verwendet. In der Bilanzanalyse ist eine Unterscheidung aber hilfreich:
- Kennziffern sind absolute Werte aus dem Jahresabschluss, zum Beispiel Bilanzsumme, Eigenkapital, Umsatzerlöse oder Personalaufwand. Sie zeigen die Größe, sagen allein aber wenig über die Qualität.
- Kennzahlen setzen zwei Werte ins Verhältnis, meist in Prozent. Erst dadurch werden Unternehmen unterschiedlicher Größe vergleichbar.
Wichtige Kennziffern aus dem Jahresabschluss
| Bilanz | Gewinn- und Verlustrechnung |
|---|---|
| Anlagevermögen | Umsatzerlöse |
| Umlaufvermögen | Gesamtleistung (Umsatz plus Bestandsveränderungen und aktivierte Eigenleistungen) |
| Vorräte | Materialaufwand |
| Forderungen | Personalaufwand |
| Eigenkapital | Abschreibungen |
| Fremdkapital (Verbindlichkeiten und Rückstellungen) | Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag |
| Bilanzsumme | Zinsaufwand |
Bilanzkennzahlen: Finanzierung und Vermögen
| Kennzahl | Formel | Aussage |
|---|---|---|
| Eigenkapitalquote | Eigenkapital ÷ Bilanzsumme × 100 | finanzielle Stabilität, Unabhängigkeit von Gläubigern |
| Fremdkapitalquote | Fremdkapital ÷ Bilanzsumme × 100 | Anteil der Schulden an der Finanzierung |
| Verschuldungsgrad | Fremdkapital ÷ Eigenkapital | wie viel Euro Schulden auf einen Euro Eigenkapital kommen |
| Anlagendeckungsgrad I | Eigenkapital ÷ Anlagevermögen × 100 | ob das Anlagevermögen mit Eigenkapital finanziert ist |
| Anlagendeckungsgrad II | (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) ÷ Anlagevermögen × 100 | „goldene Bilanzregel“: sollte über 100 % liegen |
| Anlageintensität | Anlagevermögen ÷ Bilanzsumme × 100 | wie kapitalintensiv das Geschäft ist |
| Umlaufintensität | Umlaufvermögen ÷ Bilanzsumme × 100 | Gegenstück zur Anlageintensität |
| Vorratsintensität | Vorräte ÷ Bilanzsumme × 100 | wie viel Kapital im Lager gebunden ist |
| Forderungsintensität | Forderungen ÷ Bilanzsumme × 100 | wie viel Kapital bei Kunden „ausgeliehen“ ist |
Mehr zum Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital liest du unter Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung.
Liquiditätskennzahlen
| Kennzahl | Formel | Faustregel |
|---|---|---|
| Liquidität 1. Grades | flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 | keine feste Regel; zu viel Bargeld bringt keine Rendite |
| Liquidität 2. Grades | (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 | etwa 100 % |
| Liquidität 3. Grades | kurzfristiges Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 | deutlich über 100 % |
Die Faustregeln sind Orientierungswerte aus der Praxis, keine gesetzlichen Vorgaben. Sie schwanken je nach Branche erheblich.
Erfolgs- und Strukturkennzahlen
| Kennzahl | Formel |
|---|---|
| Eigenkapitalrentabilität | Jahresüberschuss ÷ Eigenkapital × 100 |
| Gesamtkapitalrentabilität | (Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen) ÷ Bilanzsumme × 100 |
| Umsatzrentabilität | Jahresüberschuss ÷ Umsatzerlöse × 100 |
| Personalintensität | Personalaufwand ÷ Gesamtleistung × 100 |
| Materialintensität | Materialaufwand ÷ Gesamtleistung × 100 |
| Gesamtleistung pro Mitarbeiter | Gesamtleistung ÷ Zahl der Beschäftigten |
Prozentwerte rechnest du schnell mit der Prozentrechnung nach.
Kennzahlen richtig vergleichen
- Zeitvergleich: Wie haben sich die Werte gegenüber den Vorjahren entwickelt?
- Branchenvergleich: Ein Supermarkt hat ganz andere Werte als ein Maschinenbauer. Die Deutsche Bundesbank veröffentlicht Durchschnittswerte aus Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen nach Branchen, Größe und Rechtsform.
- Soll-Ist-Vergleich: Erreicht das Unternehmen seine eigenen Ziele?
Einzelne Kennzahlen können täuschen. Aussagekräftig wird die Analyse erst, wenn mehrere Kennzahlen zusammen betrachtet werden – etwa in einem Kennzahlensystem oder einer Balanced Scorecard. Auf Ebene der Volkswirtschaft arbeitet das magische Viereck mit Kennzahlen wie Inflationsrate, Arbeitslosenquote und Wirtschaftswachstum.
Prozentrechner
Häufige Fragen
Was sind Bilanzkennziffern?
Bilanzkennziffern sind Werte aus der Bilanz wie Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Eigenkapital, Fremdkapital und Bilanzsumme. Setzt man sie ins Verhältnis, entstehen Bilanzkennzahlen wie die Eigenkapitalquote oder der Anlagendeckungsgrad.
Welche Kennzahlen sind für die Finanzierung wichtig?
Vor allem Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad, Anlagendeckungsgrad I und II sowie die Liquiditätsgrade. Banken prüfen diese Werte bei der Kreditvergabe.
Was ist eine gute Eigenkapitalquote?
Eine allgemein gültige Grenze gibt es nicht. Sie hängt stark von der Branche ab. Vergleichswerte nach Branchen veröffentlicht die Deutsche Bundesbank in ihrer Jahresabschlussstatistik.
Quellen
- Deutsche Bundesbank – Unternehmensabschlüsse (Jahresabschlussstatistik) – https://www.bundesbank.de/de/statistiken/unternehmen-und-private-haushalte/unternehmensabschluesse-772968
- § 266 HGB – Gliederung der Bilanz – https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__266.html
- § 275 HGB – Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung – https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__275.html
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