Bei einem Ratenkauf gehen Käufer und Verkäufer eine Vereinbarung ein, in der eine Schuld innerhalb eines festgesetzten Zeitrahmens mittels Ratenzahlungen getilgt wird.

internet-1593378_640-by-werbefabrik-pixabay-comEigentlich ist ein Ratenkauf damit nichts anderes als ein Ratenkredit. Nur wird der Begriff „Ratenkauf“ umgangssprachlich eher für den gestundeten Erwerb eines konkreten Produktes verwendet, das Wort „Ratenkredit“ dagegen vornehmlich für die Aufnahme eines zweckungebundenen Darlehens.

Der nachfolgende Artikel befasst sich mit dem Ratenkauf bei Online-Shops.

Erfahren Sie

  • welche derzeitige und künftige Bedeutung der Ratenkauf für Online-Shops hat
  • welches die Vor- und Nachteile aus Sicht von Kreditgeber und Kreditnehmer sind und
  • worauf Sie bei einem Online-Ratenkreditangebot besonders achten sollten.

Der Online-Ratenkauf, unbürokratisch – und geradezu unwiderstehlich

Für den Abschluss dieses Teilzahlungsgeschäftes – denn ein solches ist der Ratenkauf – muss sich der Inanspruchnehmer nicht erst z.B. per Postident-Verfahren legitimieren. Die gesamte Abwicklung erfolgt daher bei einem Online-Ratenkauf innerhalb weniger Minuten – und das komplett am heimischen Bildschirm.

Der große Vorteil von Ratenkäufen verglichen mit anderen Kreditformen besteht aber neben seiner unkompliziert-schnellen Verfügbarkeit auch darin, dass er von praktisch jedem in Anspruch genommen werden kann. In aller Regel handelt es sich eher um kleinere Beträge. Die durchschnittliche Gesamthöhe eines Online-Ratenkaufs liegt derzeit zwischen 300 und 1000 Euro.

Für welche Produktgruppen ein Online-Ratenkredit hauptsächlich eingesetzt wird, können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen.

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Bilderquelle: Ratenzahlung.net

Wichtigste Regel beim Ratenkauf – Achten Sie auf den Zinssatz

Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, bieten die allermeisten Online-Shops Ratenkredite nicht direkt, sondern über einen Dienstleister an. Damit wollen die Händler sowohl ihr finanzielles Risiko, als auch ihren Verwaltungsaufwand minimieren.

Amazon beispielsweise bewirbt eifrig seine Amazon-Visa-Karte. Mit der lassen sich Amazon-Käufe in monatlichen Raten ab 50 Euro bezahlen. Allerdings beträgt hier der effektive Jahreszins satte 14,98 Prozent (Stand 11/2016)!

Die allermeisten, großen Versandhäuser wie etwa Bader, Neckermann, Baur oder Schwab bieten inzwischen ebenfalls Ratenkäufe an, deren Vertragsbedingungen sollten Sie jedoch besonders sorgfältig studieren. So kann etwa beim Otto-Versand der effektive Jahreszins bei einem Ratenkredit über 16 Prozent betragen.

Andere Online-Shops wie etwa der Media Markt werben dagegen mit einer 0-Prozent-Verzinsung.

Allerdings erhalten Sie damit automatisch ein Einkaufskonto, welches bereits mit einem verlockenden, bonitätsabhängigen Kreditrahmen versehen wurde. Sollten Sie dann Ihr nächster Media Markt-Einkauf über dieses Einkaufskonto erfolgen, wird dafür plötzlich ein effektiver Jahreszinssatz von bis zu 15,9 Prozent fällig.

Bilderquelle: Ratenzahlung.net

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Bevor Sie also einen Online-Ratenkredit anschließen, sollten Sie sich die Vertragsbedingungen, und insbesondere den geforderten Zinssatz, genau anschauen!

Dieser ist nicht immer klar erkennbar, sondern versteckt sich häufig irgendwo im Kleingedruckten. Unter Umständen – vor allem bei intransparenten Vertragsbedingungen – fahren Sie besser, wenn Sie stattdessen bei Ihrer Hausbank einen Kleinkredit aufnehmen. Bei bestimmten Konstellationen, wie etwa sehr kurzfristiger Illiquidität, kann es sogar zinsgünstiger sein, das Girokonto zu überziehen, als einen überteuerten Ratenkredit aufzunehmen.

Bietet ein Onlineshop einen Ratenkredit an, dann für seine gesamte Kundschaft – und ab einem bestimmten Warenwert für praktisch alle Produkte.

Trotz der teils sehr undurchsichtigen und übertriebenen Zinssätze gewinnen Ratenkredite im Online-Handel an Bedeutung. Der Grund liegt neben ihrer schnellen Verfügbarkeit vor allem darin, dass praktisch jeder so viele Ratenkredite abschließen kann, wie er gemäß Selbsteinschätzung meint, bedienen zu können.

Nur sehr wenige Online-Händler verlangen eine Schufa-Auskunft, einen Ratenkredit gibt es daher bei den meisten Shops völlig unabhängig von der individuellen Bonität. Dies belegt auch die nachfolgende Tabelle.

Bildquelle: ratenzahlung.net

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Jeder Verbraucher – egal ob überschuldet oder nicht – kann also problemlos einen Online-Ratenkredit aufnehmen.

Er macht sich allerdings eventuell strafbar, wenn ihm bereits bei Vertragsabschluss bewusst war, dass er dieser Zahlungsverpflichtung nicht nachkommen kann oder will!

Dennoch – obwohl Ratenkredite bei Konsumenten sehr populär sind, bieten derzeit gerade einmal neun Prozent aller Online-Shops den Kauf per Rate an. Dies lässt sich der nachfolgenden Umfrage entnehmen.

Nach Aussagen der Shopbetreiber hat diese Zurückhaltung folgende Ursachen:

  • Angst vor Zahlungsausfällen
  • geringe Produkteignung
  • zu geringer Warenwert
  • negatives Image von Ratenzahlungen

Bildquelle: ratenzahlung.net

Allerdings ist für zwei Drittel aller Händler, die bislang noch keinen Ratenkauf anbieten, zumindest denkbar, diese Finanzierungsmethode in der näheren Zukunft zu offerieren. Jeder vierte Online-Händler unter denen, die keinen Ratenkauf anbieten, ist derzeit dabei, diese Finanzierungsform in seinen Shop zu integrieren. Gründe dafür sind

  • eine mögliche Umsatzsteigerung
  • das vermehrte Nachfragen von Kundenseite
  • Konkurrenzdruck von Mitbewerbern, die diese Finanzierungsform bereits anbieten

Nach ersten Erfahrungen konnten Anbieter von Ratenkrediten ihren Umsatz um rund 11 Prozent steigern, während dabei die Retouren nur um sechs Prozent anstiegen!

Zahlungsausfälle sind also trotz der laxen Bedingungen erstaunlich selten.

Ein Online-Ratenkauf will sorgfältig überlegt sein

Größter Nachteil eines Ratenkredits ist natürlich neben der Verteuerung des Produkts durch die Zinsbelastung, dass Sie eine langfristige Zahlungsverpflichtung eingehen.

Laut Schufa liegt die derzeitige durchschnittliche Laufzeit eines Ratenkredits bei 43, 5 Monaten.

Wenn Sie Ihre monatliche Rate nicht pünktlich und vollständig bezahlen, können – etwa durch Verzugszinsen, zusätzlichen Verwaltungsaufwand oder Inkassobüros – unverhältnismäßig hohe Zusatzkosten entstehen. Die vielleicht größte Gefahr bei Online-Ratenkäufen besteht aber vielleicht darin, dass sie (allzu) leicht zu haben sind. Schon ein paar leichtsinnige Mausklicks genügen, und schon hat man eine langfristige Zahlungsverpflichtung am Hals.

Schnell summiert sich auf diese Weise die Zahl abgeschlossener Ratenkreditverträge. Für sich alleine genommen, sind die meisten Monatsraten zwar finanziell unerheblich, können aber in der Summe zu einer enormen, finanziellen Belastung anwachsen. Allzu schnell verliert man den Überblick und sieht sich plötzlich außerstande, sämtliche, monatliche Raten zu bedienen.

Bevor Sie einen Ratenkredit aufnehmen, sollten Sie daher nicht nur Ihre langfristige, finanzielle Leistungskraft berücksichtigen, sondern auch alle laufenden Zahlungsverpflichtungen – selbst wenn sie noch so geringfügig erscheinen.

Written by Captain Geld

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