Wer im Ruhestand ist, bekommt seine fixe Rente oder Pension und ist zumeist nicht mehr arbeitsfähig. Auch wenn alles immer credit-squeeze-522549_640-by-stevepb-pixabay-comteurer wird, können Senioren ihre Einkünfte also kaum steigern. Aber dies ist nur einer der Ursachen, warum der Anteil überschuldeter Senioren-Haushalte hierzulande ständig wächst.

Deutschland geht es gut! Tagtäglich beten unsere Politiker und Medien dieses Mantra gebetsmühlenartig herunter. Was sie dabei gerne vergessen: Durchschnittsberechnungen besitzen nur eine begrenzte Aussagekraft, denn wenn der Kopf im Backofen und die Füße im Gefrierfach stecken, bietet die durchschnittliche Körpertemperatur keinen Anlass zur Klage.

Wenn es Deutschland gut geht, wie kommt es dann, dass die Zahl der überschuldeten Haushalte unaufhaltsam ansteigt? Im Jahr 2016 galten bereits 10,6 Prozent aller volljährigen Bundesbürger als überschuldet. Das sind in etwa 6,8 Millionen. Bei Personen über 70 Jahren stieg die Überschuldungsquote mit Abstand am stärksten. Verglichen mit dem Vorjahr betrug der Zuwachs hier satte 16, 4 Prozent. Damit haben in dieser Altersklasse 174.000 Personen zu hohe Schulden – 25.000 mehr als im Jahr zuvor. Aber auch bei der Gruppe der 60- bis 65-Jährigen wächst die Anzahl überschuldeter Haushalte deutlich stärker als im Durchschnitt. Woran liegt das eigentlich?

Ursachen für die Überschuldung im Alter

Jüngere geraten meistens durch übertriebenes Konsumverhalten in Zahlungsschwierigkeiten, etwa durch

  • Handy-Verträge
  • Unterhaltungselektronik
  • Katalogbestellungen
  • PKW-Finanzierung
  • Urlaubsreisen

Ganz anders die Senioren

Hauptgründe für deren Überschuldung sind hier:

  • gestiegene Miet- und Energiepreise
  • explodierende Kosten der medizinischen Versorgung
  • geringe Einkünfte
  • keine Möglichkeiten des Zuverdienstes

Vor allem aber geraten Senioren durch das Nichtreagieren auf veränderte Familiensituationen in die Schuldenfalle. Man spricht hier von einer „strukturellen Verschuldung“. Älteren Menschen fällt es oftmals schwer, sich an veränderte Lebensumstände anzupassen. Es stirbt der Ehepartner oder lässt sich scheiden, die Kinder ziehen aus, der Verlassene aber bezahlt weiterhin für eine große Wohnung, die er sich nicht mehr leisten kann.

Auch sind viele Senioren zu gutmütig. Sie unterstützen selbst dann noch ihre Kinder, Verwandten oder Freunde finanziell, wenn sie es eigentlich gar nicht mehr können.

Laut Expertenschätzung wird der Senioren-Anteil an der Gesamtzahl überschuldeter Haushalte langfristig erheblich steigen.

Dies liegt natürlich nicht zuletzt auch daran, dass Sie wesentlich geringere Renten bekommen werden als die jetzige Rentnergeneration.

Die Schuldenspirale im Alter

Wenn das Geld knapp wird, stellt man die weniger dringenden und wichtigen Dinge nach hinten, um zunächst die existenzielle Basis zu sichern. Das ist natürlich kurzfristig betrachtet absolut vernünftig. Aber langfristig entstehen dadurch erhebliche Zusatzkosten.

Wenn Sie etwa den Zahnriemen Ihres Fahrzeugs nicht rechtzeitig austauschen, steigt die Gefahr eines Motorschadens, und wenn Sie Ihre halbdefekte, uralte Waschmaschine nicht ersetzen, bezahlen Sie diese Versäumnis mit einem erhöhten Strom- und Wasserverbrauch, da das Altgerät deutlich mehr verbraucht als dessen Nachfolger.

Durch dieses Aufschieben notwendiger Investitionen entsteht allmählich eine Schuldenspirale. Je mehr Zeit vergeht, desto höher türmen sich die Kosten. Dieser schleichende Prozess kann gerade bei Senioren über Jahre andauern, und führt irgendwann unweigerlich zur Überschuldung.

Privatinsolvenz im Alter ist besonders mühsam

Wenn Sie außerstande sind, Ihre Raten zu bezahlen, könnten Sie natürlich ein Privatinsolvenzverfahren durchführen. Dabei müssen Sie sämtliche Wertgegenstände verkaufen, Ihre Ersparnisse auflösen und Ihre Einkünfte bis auf einen unpfändbaren Grundbetrag abführen.

worried-30148_640-by-clker-free-vector-images-pixabay-comPensionen und Renten zählen ebenfalls als Einkommen und sind damit ebenfalls pfändbar. Die Pfändungsfreigrenze liegt derzeit für Singles ohne Unterhaltspflicht bei 1.079,99 Euro. Sind Sie dagegen unterhaltspflichtig oder verheiratet, erhöht sich dieser Grundfreibetrag um 404,16 Euro für die erste und um 225,17 Euro für jede weitere Person.

Kindergeld spielt übrigens bei der Freibetrags-Berechnung keine Rolle.

Die Gesamtzahl der Privatinsolvenzen ist in Deutschland rückläufig und betraf 2015 insgesamt 107.919 Personen. Allerdings steigt auch hier der Anteil der über 61 Jahre alten Personen – und das bereits das fünfte Jahr in Folge.

Insbesondere älteren Leuten ist der mit einer Privatinsolvenz verbundene Ansehensverlust und Aufwand überaus unangenehm. Wenn etwa Gegenstände gepfändet werden, lässt sich dies kaum vor Verwandten oder befreundeten Nachbarn verheimlichen.

Auch für Senioren gibt es Alternativen zur Privatinsolvenz

Aus den erwähnten Gründen sollten Sie als Betroffener versuchen, eine Privatinsolvenz zu vermeiden. Voraussetzung dafür ist eine außergerichtliche Einigung mit all Ihren Gläubigern. Die kann allerdings nur Erfolg haben, wenn Sie zwei Dinge beherzigen

  • Sie müssen jedem Ihrer Gläubiger zumindest einen Teilbetrag seiner Forderung erstatten.
  • Für Vergleichsverhandlungen mit Gläubigern benötigen Sie daher eine bestimmte Geldsumme, etwa 20 Prozent der gesamten Kreditsummen sollten es schon sein.

Unter diesen Voraussetzungen dürfte es gar nicht mal so schwierig sein, mit Ihren Gläubigern zu einer Einigung zu gelangen. Denn die meisten von ihnen denken pragmatisch und wissen, dass sie bei einem Privatinsolvenzverfahren praktisch leer ausgehen würden.

Geld und Hilfe im Fall der drohenden Überschuldung

Gerade im hohen Alter verschuldet man sich höchst ungern. Doch nicht jeder hat Verwandte oder Freunde, um diese um Geld zu bitten. Für einige bleibt also nur noch die Umschuldung in Form einer weiteren Kreditaufnahme. Ob offene Ratenzahlungen oder überzogener Dispo – bei einer drohenden Überschuldung ist ein neuer Kredit dann eine gute Lösung, wenn man damit alle sonstigen Zahlungsverpflichtungen mit einem Schlag los. Umschulden lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise.

Ratenkredit

Möchten Sie nur irgendwie alle Verbindlichkeiten auf einmal los sein, eignet sich der klassische Ratenkredit. Dank Niedrigzinsphase sind ratierliche Kreditangebote nicht wirklich teuer, siehe folgende Übersicht. Voraussetzung für attraktive Konditionen sind allerdings eine gute Bonität. Ist ihre Kreditwürdigkeit eher durchschnittlich, gilt dies auch für den Zinssatz. Vorsicht: das günstige Kreditangebot aus der Werbung erhalten nur die Wenigsten. Entscheidend sind die Konditionen im verbindlichen Kreditangebot der Bank.

Rahmenkredit

Möchten Sie nicht auf die Flexibilität eines Dispokredit verzichten, eignet sich eher ein Rahmenkredit. Hiermit können die laufenden Kosten zu reduziert werden, die bei einem überzogenen Girokonto anfallen. Wie beim Dispo können Sie bis zur vereinbarten Kreditlinie frei über das Geld verfügen. Der wichtigste Unterschied: bei den günstigsten Angeboten sind die Zinsen für den Rahmen- oder Abrufkredit nur etwa halb so hoch wie beim Dispo. Bonitätsabhängige Unterschiede bei den Konditionen gibt es bei Rahmenkrediten nicht. Ausführliche Infos mit Zinsvergleich siehe http://www.abrufkredit24.de/vergleich/

Tipp

Wenn Sie überschuldet sein sollten, und mit dieser Situation alleine nicht zurechtkommen, suchen Sie unentgeltliche Hilfe bei der für Ihren Wohnort zuständigen, kommunalen Schuldnerberatung oder bei einer der landesweiten Verbraucherzentralen.

Written by Captain Geld

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