Zum Inhalt springen

Reiserücktrittsversicherung oder Reiseabbruchversicherung? Die Unterschiede

Geprüft am 09.10.20263 QuellenLesezeit 4 Minuten
Inhalt dieser Seite
  1. Der Unterschied auf einen Blick
  2. Reiserücktrittsversicherung: Wann sie zahlt
  3. Reiseabbruchversicherung: Wann sie zahlt
  4. Was in der Regel nicht versichert ist
  5. Worauf du beim Abschluss achten solltest
  6. Im Schadensfall richtig handeln
  7. Häufige Fragen

Kurz beantwortet

  • Die Reiserücktrittsversicherung zahlt die Stornokosten, wenn du eine gebuchte Reise aus einem versicherten Grund nicht antreten kannst.
  • Die Reiseabbruchversicherung greift, wenn du eine bereits begonnene Reise vorzeitig beenden musst: Sie erstattet nicht genutzte Reiseleistungen und meist zusätzliche Rückreisekosten.
  • Versichert sind vor allem unerwartete Ereignisse bei dir oder nahen Angehörigen: schwere Krankheit, Unfall, Tod, Jobverlust. Naturkatastrophen, Streiks oder Reisewarnungen sind in der Regel nicht versichert.
  • Bei Pauschalreisen kannst du bei außergewöhnlichen Umständen am Reiseziel ohnehin kostenlos zurücktreten (§ 651h Abs. 3 BGB) – dafür braucht es keine Versicherung.

Der Unterschied auf einen Blick

Beide Versicherungen schützen dich vor finanziellen Verlusten, wenn ein Urlaub nicht wie geplant stattfinden kann. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Bis zum Reiseantritt trittst du zurück, danach brichst du ab.

ReiserücktrittsversicherungReiseabbruchversicherung
Giltvon der Buchung bis zum Reiseantrittab Reiseantritt bis zum Ende der Reise
ZahltStornokosten des Veranstalters, Vermieters oder der FluggesellschaftWert der nicht genutzten Reiseleistungen, zusätzliche Rückreisekosten, oft Kosten einer verspäteten Rückkehr
Typischer FallDu erkrankst eine Woche vor Abflug schwerEin naher Angehöriger stirbt, und du fliegst vorzeitig heim
Angeboteinzeln oder im Paketmeist nur zusammen mit einer Rücktrittsversicherung

Reiserücktrittsversicherung: Wann sie zahlt

Wer von einer Pauschalreise zurücktritt, schuldet dem Veranstalter eine angemessene Entschädigung, meist als Stornopauschale nach den Reisebedingungen (§ 651h BGB). Je näher der Abreisetermin, desto höher die Pauschale – kurz vor Abflug sind oft 80 bis 90 % des Reisepreises fällig. Bei Ferienwohnungen und Flügen gelten die jeweiligen Vertragsbedingungen.

Die Versicherung übernimmt diese Kosten, wenn ein im Vertrag genannter Grund vorliegt. Typisch versichert sind:

  • unerwartete schwere Erkrankung, Unfallverletzung oder Tod der versicherten Person oder eines nahen Angehörigen,
  • Komplikationen in der Schwangerschaft,
  • Impfunverträglichkeit,
  • unerwarteter Verlust des Arbeitsplatzes durch Kündigung des Arbeitgebers,
  • Aufnahme eines neuen Jobs nach Arbeitslosigkeit,
  • erheblicher Schaden am Eigentum, etwa durch Brand oder Einbruch, der deine Anwesenheit erfordert.

Die genaue Liste unterscheidet sich je nach Tarif. Viele Tarife verlangen einen Selbstbehalt, häufig einen Prozentsatz des Schadens.

Reiseabbruchversicherung: Wann sie zahlt

Hast du die Reise angetreten, gibt es versicherungsrechtlich keinen Rücktritt mehr. Musst du den Urlaub abbrechen, ersetzt die Reiseabbruchversicherung den anteiligen Wert der gebuchten, aber nicht genutzten Leistungen, etwa Hotelnächte, Ausflüge oder Kurse. Meist übernimmt sie auch zusätzliche Kosten für die vorzeitige Rückreise. Manche Tarife zahlen auch, wenn du wegen Krankheit länger bleiben musst.

Die Gründe sind weitgehend dieselben wie beim Rücktritt: eigene schwere Krankheit oder Unfall, Tod oder schwere Erkrankung eines nahen Angehörigen, ein erheblicher Schaden zu Hause. Je nach Tarif kommen weitere Gründe hinzu, etwa der Verlust der Reisedokumente.

Merksatz: Rücktritt = Reise findet nicht statt. Abbruch = Reise endet früher. Für umfassenden Schutz brauchst du beide Bausteine.

Was in der Regel nicht versichert ist

  • Ereignisse am Reiseziel wie Naturkatastrophen, Unruhen oder Reisewarnungen,
  • Streiks bei Fluggesellschaften oder Flughäfen,
  • Insolvenz des Veranstalters,
  • bekannte Vorerkrankungen, die bei Buchung schon behandelt wurden und absehbar waren (je nach Tarif),
  • Gründe ohne Krankheitswert wie Flugangst, Lustlosigkeit oder ein verschobener Urlaub durch den Arbeitgeber.

Für einige dieser Fälle schützt dich das Gesetz: Bei Pauschalreisen darfst du kostenlos zurücktreten, wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände am Bestimmungsort die Reise erheblich beeinträchtigen, etwa ein Wirbelsturm (§ 651h Abs. 3 BGB). Dein Geld muss dann binnen 14 Tagen zurückkommen. Gegen die Insolvenz des Veranstalters sind Pauschalreisende durch die gesetzliche Insolvenzsicherung geschützt (§ 651r BGB). Bei Flugausfällen helfen die Fluggastrechte der EU.

Worauf du beim Abschluss achten solltest

  • Früh abschließen: Viele Tarife verlangen den Abschluss innerhalb weniger Tage nach Buchung oder schließen Ereignisse aus, die vor Vertragsbeginn absehbar waren.
  • Versicherungssumme: Sie sollte den vollen Reisepreis für alle Mitreisenden abdecken.
  • Einzelreise oder Jahresvertrag: Wer mehrmals im Jahr verreist, fährt mit einer Jahrespolice oft günstiger.
  • Kreditkarten prüfen: Manche Kreditkarten enthalten bereits Reiseversicherungen, oft mit Bedingungen wie Bezahlung der Reise mit der Karte. Das lohnt einen Blick, wenn du ohnehin Girokonten vergleichen.
  • Selbstbehalt und Angehörigenbegriff vergleichen.
  • Zusammen mit einer Auslandsreisekrankenversicherung bilden die Bausteine einen sinnvollen Reiseschutz.

Im Schadensfall richtig handeln

  1. Sofort stornieren: Sobald feststeht, dass du nicht reisen kannst, sag beim Veranstalter ab. Du bist verpflichtet, den Schaden möglichst gering zu halten (§ 82 VVG). Wer abwartet, bleibt unter Umständen auf den höheren Stornokosten sitzen.
  2. Versicherer informieren und Unterlagen einreichen: Buchungsbestätigung, Stornorechnung, Versicherungsnachweis.
  3. Nachweis des Grundes: Bei Krankheit ein ärztliches Attest, das die Reiseunfähigkeit bestätigt; manche Versicherer verlangen ein spezielles Formular.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung?

Die Reiserücktrittsversicherung zahlt Stornokosten, wenn du die Reise gar nicht antrittst. Die Reiseabbruchversicherung zahlt, wenn du eine begonnene Reise vorzeitig beenden musst.

Zahlt die Reiserücktrittsversicherung bei Naturkatastrophen?

In der Regel nicht. Bei Pauschalreisen kannst du aber kostenlos zurücktreten, wenn außergewöhnliche Umstände am Reiseziel die Reise erheblich beeinträchtigen (§ 651h Abs. 3 BGB).

Bis wann muss ich eine Reiserücktrittsversicherung abschließen?

Das regelt jeder Tarif selbst. Oft ist der Abschluss nur innerhalb weniger Tage nach der Buchung möglich oder später nur mit Einschränkungen. Am sichersten schließt du direkt bei Buchung ab.

Wann muss ich die Reise stornieren?

Sofort, sobald feststeht, dass du nicht reisen kannst. Zögerst du, kann der Versicherer die Mehrkosten durch höhere Stornogebühren kürzen.

Quellen

  1. § 651h BGB – Rücktritt vor Reisebeginn – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651h.html
  2. § 651r BGB – Insolvenzsicherung – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651r.html
  3. § 82 VVG – Abwendung und Minderung des Schadens – https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__82.html
Redaktion CaptainGeld. Erstmals veröffentlicht im April 2018, inhaltlich geprüft am 09.10.2026. Kein Ersatz für eine Beratung im Einzelfall.

Mehr zum Thema Versicherung